Er lernete mir vom Fall Luzifers und wie unsere ersten Eltern aus dem Paradies verstoßen wurden, unterwies mich im Gesetz Moisis und den zehn Geboten, kam also auf das Leben, Sterben und die Auferstehung unseres Heilands, zuletzt beschloß er mit dem jüngsten Tag. Sein Leben und sein Reden waren mir eine immerwährende Predigt und ich gewann solche Liebe zu seinem Unterricht, daß ich des Nachts nicht davor schlafen konnte. So lernte ich auch beten. Da ich aber in purer Einfalt verblieben, hat mich der Einsiedel, weil weder er noch ich meinen rechten Namen gewußt, SIMPLICIUS benannt.

Wir baueten vor mich eine Hütte gleich der seinen von Holz, Reisern und Erde, fast formiert wie der Musketierer im Feld ihre Zelten, oder besser zu sagen, wie die Bauren ihre Rubenlöcher decken, kaum daß ich aufrecht darin sitzen konnte, so nieder. Mein Bett war von dürrem Laub und Gras, ebensogroß als die Hütte selbst.

Als ich das erste Mal den Einsiedel in der Bibel lesen sahe, konnte ich mir nicht einbilden, mit wem er doch ein solch heimlich und, meinem Bedünken nach, sehr ernstlich Gespräch haben müßte; ich sahe wohl die Bewegung seiner Lippen, hingegen aber niemand, der mit ihm redete, und merkte doch an seinen Augen, daß ers mit etwas in selbigem Buch zu tun hatte. Ich gab Achtung auf das Buch, und nachdem er solches beigelegt, machte ich mich darhinter, schlugs auf und bekam im ersten Griff das erste Kapitel des Hiobs und die davor stehende Figur, so ein feiner Holzschnitt und schön illuminieret war, in die Augen. Ich fragte dieselbigen Bilder seltsame Sachen, weil mir aber keine Antwort widerfahren wollte, ward ich ungeduldig und sagte eben, als der Einsiedel hinter mich schlich:

»Ihr kleine Hudler, habet ihr dann keine Mäuler mehr? Habet ihr nicht allererst mit meinem Vater lang genug schwätzen können? Ich sehe wohl, daß ihr auch dem armen Knän da seine Schafe heim treibet und das Haus angezündet habet. Halt! Halt! Ich will das Feuer noch wohl löschen!«

Damit stund ich auf, Wasser zu holen.

»Wohin, Simplici?«

»Ei Vater, da sind auch Krieger, die haben Schafe und wollen sie wegtreiben. Sie habens dem armen Mann da genommen, mit dem du erst geredet hast. So brennet sein Haus auch schon lichterlohe und wird verbrennen, wann ich nicht bald lösche.«

Und ich zeigte mit dem Finger, was ich sahe.

»Bleib nur, es ist noch keine Gefahr.«

»Bist du dann blind? Wehre du, daß sie die Schafe nicht forttreiben, so will ich Wasser holen!«