Indem führet man etliche Gefangene über den Platz und wir beschaueten sie auch. Da vernahm ich eine neue Mode einander zu grüßen und zu bewillkommnen, dann einer unserer Guarnison kannte einen Gefangenen. Zu dem ging er, gab ihm die Hand und druckete sie vor lauter Freude und Treuherzigkeit, dabei er sagte: »Daß dich der Hagel erschlage, lebst du noch, Bruder? Potz Fickerment, wie führt uns der Teufel hier zusammen! Ich habe, schlag mich der Donner vorlängst gemeinet, du wärest gehängt worden!«

Darauf antwortete der andere: »Potz Blitz Bruder, bist dus oder bist dus nicht? Daß dich der Teufel hole, wie bist du hierher gekommen? Ich hätte mein Lebtag nicht vermeinet, daß ich dich wieder antreffen würde, sondern habe gedacht, der Teufel hätte dich vorlängst hingeführet!«

Und als sie von einander gingen, sagte einer zum andern:

»Strick zu, Strick zu, morgen kommen wir vielleicht zusammen, dann wollen wir brav mit einander saufen!«

Ich verwunderte mich und ging, dem Gubernator aufzuwarten, dann ich hatte gewisse Zeiten Erlaubnus, die Stadt zu beschauen, weil mein Herr von meiner Einfalt Wind hatte und gedachte, solche würde sich legen, wann ich herumterminierte und von andern gehobelt und gerülpt würde.


[Das dreizehnte Kapitel]

Meines Herren Gunst mehrete sich täglich, weil ich nicht allein seiner Schwester je länger, je gleicher sahe, sondern auch ihm selbsten, indem die guten Speisen und faulen Täge mich glatthärig machten. Wer etwas mit dem Gubernator zu tun hatte, erzeigte sich mir günstig, und sonderlich mochte mich der Secretarius wohl leiden, indem mir derselbe rechnen lernen mußte.

Er war erst von den Studien gekommen und stak noch voller Schulpossen, die ihm zu Zeiten ein Ansehen gaben, als wann er einen Sparren zu viel oder zu wenig gehabt hätte. Er überredete mich oft, schwarz sei weiß und weiß sei schwarz, dahero kam es, daß ich ihm in der Erste alles und aufs letzte gar nichts mehr glaubte.