Einsmals tadelte ich sein schmierig Tintenfaß, er aber antwortete solches sei sein bestes Stück in der ganzen Kanzlei, dann daraus lange er hervor, was er begehre, die schönsten Dukaten, Kleider und in summa, was er vermöchte, hätte er nach und nach herausgefischt. Ich wollte das von einem so kleinen, verächtlichen Ding nicht glauben. Hingegen sagte er, solches Vermöge der spiritus papyri (also nannte er die Tinte) und das Tintenfaß würde darum Faß genannt, weil es große Dinge fasse.
»Wie soll mans herausbringen, sintemal man kaum zween Finger hineinstecken kann?«
Er antwortete, er hätte einen Arm im Kopf, der solche Arbeit verrichten müsse und verhoffe sich bald auch eine schöne, reiche Jungfrau herauszulangen. Wann er Glück hätte, so getraue er auch ein eigen Land und Leute heraus zu bringen.
Ich mußte mich über diese künstlichen Griffe verwundern und fragte, ob noch mehr Leute solche Kunst könnten.
»Freilich, alle Kanzler, Doktoren, Secretarii, Prokuratoren oder Advokaten, Commissarii, Notarii, Kauf- und Handelsherren, so, wann sie nur fleißig fischen, zu reichen Herren daraus werden.«
Ich meinte so seien die Bauren und andere arbeitsame Leute nicht witzig, daß sie im Schweiß ihres Angesichtes ihr Brot essen und diese Kunst nicht auch lernen. Er aber sagte: »Etliche wissen der Kunst Nutzen nicht, dahero begehren sie solche auch nicht zu lernen; etliche wolltens gern, mangeln aber des Arms im Kopfe oder anderer Mittel; etliche lernen die Kunst und haben Arms genug, wissen aber die Griffe nicht, so die Kunst erfordert, wenn man dadurch will reich werden; andere wissen und können alles, was dazu gehöret, sie wohnen aber in der Fehlhalde und haben keine Gelegenheit wie ich, die Kunst zu üben.«
Als wir dergestalt vom Tintenfaß diskurierten, kam mir das Titularbuch ungefähr in die Hände, darin fand ich mehr Torheiten, als mir bisher noch nie vor Augen gekommen.
Ich rief: »Alles sind ja Adamskinder und eines Gemächts miteinander, Staub und Aschen, woher kommt ein so großer Unterschied? Allerheiligst, Unüberwindlichst, Durchleuchtigst! Sind das nicht göttliche Eigenschaften? Der ist gnädig, der ander gestreng und was tut das Geboren dabei? Die heißen Hoch-, Wohl-, Vor-Großgeachte! Was ist das vor ein närrisch Wort: Vorsichtig! Wem stehen dann die Augen hinten im Kopf? Es ist viel rühmlicher, wann einer freundlich tituliert wird. Item wann das Wort Edel an sich selbsten hochschätzbare Tugenden bedeutet, warum es bei Fürsten und Grafen zwischen hoch und geboren setzen? Und Wohlgeboren ist eine Lüge, solches möchte eines jeden Barons Mutter bezeugen, wann man sie fragte, wie es ihr bei der Entbindung ergangen sei.«
Der Secretarius und ich lacheten gar sehr. Indem entrann mir ein so grausamer Leibsdunst, daß beide ich und der Secretarius darüber erschraken.
»Trolle dich, du Sau,« sagte er, »zu den andern Säuen im Stall, mit denen, du Rülp, besser zustimmen, als mit ehrlichen Leuten konversieren kannst!«