Dies war unser Diskurs, dieweil mir eine adelige Jungfer, so das Feuer pflegte, Schuhe und Strümpfe auszog, die ich überall im Finstern besudelt hatte, wie dann Paris ohn das eine sehr kotige Stadt ist.
Gleich darauf kam Befehl, daß man mich noch vor dem Essen baden sollte, dann bemeldtes Jungfräulein ging ab und zu und brachte Badezeug, so alles nach Bisem und wohlriechender Seife duftete. Das leinen Gerät war von reinstem Kammertuch und mit teueren holländischen Spitzen besetzt.
Ich wollte mich schämen und vor der Alten nicht nackend sehen lassen, aber es half nichts, ich mußte dran und mich von ihr ausreiben lassen, das Jungfergen mußte eine Weile abtreten.
Nach dem Bad ward mir ein zartes Hemd gegeben und ein köstlicher Schlafpelz von veielblauem Taffet angelegt, samt ein Paar Strümpfen von gleicher Farbe. So war meine Schlafhaube samt den Pantoffeln mit Gold und Perlen gestickt, also daß ich nach dem Bad dort saß zu protzen wie der Herzkönig.
Indessen mir nun meine Alte das Haar trücknete und kämpelte trug mehrgemeldtes Jungfergen die Speisen auf, und nachdem der Tisch überstellet war, traten drei heroische Damen in den Saal, welche ihre Alabasterbrüstlein zwar ziemlich weit entblößt trugen, vor den Angesichtern aber ganz vermaskiert waren.
Sie dünkten mich alle drei vortrefflich schön zu sein, aber doch war eine viel schöner als die andern. Ich machte ihnen ganz stillschweigend einen Bückling und sie bedankten sich mit der gleichen Zeremonie, welches natürlich aussahe, als ob etliche Stumme beieinander seien. Sie satzten sich alle drei zugleich, daß ich nicht erraten konnte, welche die Vornehmste gewesen.
Der ersten Rede war, ob ich nicht französisch könnte. Meine Landsmännin sagte nein. Hierauf befahl ihr die andre, sie solle mir sagen, ich wollte belieben niederzusitzen. Dann bedeutete die Dritte der Alten, sie solle sich auch setzen. Woraus ich abermal nicht abnehmen konnte, welche die Vornehmste unter ihnen war.
Ich saß neben dem alten Gerippe und sie blickten mich alle drei sehr anmütig, lieb- und huldreich an, und ich dörfte schwören, daß sie viel hundert Seufzer gehen ließen.
Meine Alte fragte mich, welche ich unter den dreien vor die Schönste hielte. Ich antwortete, daß einem die Wahl wehe tue. Hierüber fing sie an zu lachen, daß man alle vier Zähne sahe, die sie noch im Maul hatte, und sagte: »Warum das?«
»Soviel ich sehe, sein alle drei nit häßlich.«