»Ich muste mich über diese Sach, wie leicht zu gedenken, nicht wenig verwundern, als warvon ich mein Lebtage niemalen nichts gesehen noch gehöret. Hingegen erzählte mir mein Weib, ihre Eltern hätten vielmal von einem Kerl gesagt, der ein solches Nest gehabt und sich durch dessen Kraft und Würkung ganz reich gemacht hätte; er wäre nämlich an Ort und Ende hingangen, da viel Geld und Guts gelegen, das hätte er unsichtbarer Weis hinweg geholet und ihm dardurch einen großen Schatz gesamlet; wann ich derowegen wolte, so könte ich durch diß Kleinod unserer Armuth auch zu Hülf kommen. Ich antwortet: Diß Ding ist mislich und gefährlich, und möchte sich leicht schicken, daß sich irgends einer fände, der mehr als andere Leut sehen könte, durch welchen alsdann einer ertappt und endlich an seinen allerbesten Hals aufgehenkt werden möchte. Ehe ich mich in eine solche Gefahr begeben und allererst in meinen alten Tagen wiederum aufs Stehlen legen wolte, so wolte ich ehender das Nest verbrennen.«

»Sobald ich diß gesagt und mein Weib solches gehöret hatte, erwischte sie das Nest, gieng etwas von mir und sagte: Du albere alte Hundsfutt, du bist weder meiner noch dieses Kleinods werth, und es wäre auch immer schad, wann du anderster als in Armuth und Bettelei dein Leben zubringen soltest. Gedenke nur nicht, daß du mich die Tage deines Lebens mehr sehen, noch dessen, was mir diß Nest eintragen wird, genießen sollest.«

»Ich hingegen bat sie, wiewol ich sie nit sahe, sie wolte sich doch in keine Gefahr gehen, sonder sich mit deme genügen lassen, was wir täglich vermittelst unsers Saitenspiels von ehrlichen Leuten erhielten, dabei wir gleichwol keinen Hunger leiden dörften. Sie antwortet: Ja, ja, du alter Hosenscheißer, gehei dich[492] nur hin, und brühe[493] deine Mutter! &c.«


Fußnoten:

[485] grandig, heftig, außerordentlich.

[486] übertreiben, übermäßig in Anspruch nehmen.

[487] Spenglerleben, ein faules Vagabundenleben, wie es die bettelhaften Spengler führen. Vgl. Spengler, schwäbisch, soviel wie träges Gähnen.

[488] Trillstern, Drehscheibe, eine Art Roulette.

[489] Riemenspiel, Riemenstechen, ein derartig künstlich zusammengerollter Riemen, daß jemand, der hindurchstechen will, stets vorbeisticht.