Kaum weniger heftig waren die Kämpfe des folgenden Sommers 1644. Ueberlingen ergab sich im Mai. Im Juli beginnt die Belagerung von Freiburg durch die Baiern. In den Gefechten vor der Stadt begegnen wir auch Rosen wieder und dem Obersten von Kürnreuter (Kürnrieder), den Springinsfeld den »Kürbereuter« nennt. Nach dreizehn Stürmen ging die Stadt an Mercy über. Die unter dem Herzog von Enghien und Turenne, die zum Entsatz zu spät kamen, um die Schanzen geführten Gefechte waren so blutig, daß Johann de Werth eines ähnlichen Kampfes sich nicht erinnerte; besonders heiß ging es den 4. August am Burghalder Berg her. Nach der Besetzung Freiburgs ging es gegen Villingen, darauf ins Würtembergische und die Unterpfalz. Springinsfeld war mit bei Mannheim, wo Rosen sich mit 300 Mann befand, und half die Stadt mit Sturm nehmen. Rosen selbst entkam mit wenigen Leuten in einem Nachen über den Rhein, die übrigen wurden niedergemacht. Darauf mußte Höchst accordiren. Mercy und de Werth hatten sich nach der Bergstraße gewandt; hier wurde das Städtchen Bensheim, nachdem Bresche geschossen und die Mauern auf Leitern erstiegen, im Sturm genommen. Bei dieser Gelegenheit fiel der Oberst Wolff, als er abends mit einer Fackel gegen das Thor lief, durch einen Schuß aus der Stadt. Springinsfeld deutet nur kurz an, wie dort gehaust wurde; alles, was Waffen trug, wurde niedergemacht. Wahrscheinlich war Springinsfeld's Regiment dabei besonders thätig; er verschweigt, daß dasselbe zusammen mit dem Sporkeschen die Stadt Wiesbaden erstiegen, alles rein ausgeplündert, viele Bürger erschlagen, selbst die Frauen und Mädchen nicht verschont und, wie das »Theatrum Europaeum« sich ausdrückt, »eine unerhörte Schande getrieben hatte«. Weinheim war besser davongekommen, indem es sich auf Discretion ergab, wobei die Offiziere gefangen genommen, die Soldaten aber unter ein junges Regiment, das Kolbische, gesteckt wurden. Die ferner nur beiläufig erwähnte Belagerung und Uebergabe des festen Schlosses Nagold, dessen Besatzung aus Franzosen bestand, an den bairischen Feldzeugmeister Baron von Rauschenberg erfolgte erst am 8. December 1645.
Die Begebenheiten, mit denen das folgende Jahr beginnt, sind verständlich erzählt. Der von Springinsfeld erwähnte Geleen oder Gleen (Gottfried) war in Baiern bis zum Feldmarschall gestiegen, darauf in kaiserliche Dienste getreten und in den Grafenstand erhoben worden. In der Schlacht bei Allerheim wurde der linke Flügel unter dem Marschall Grammont geschlagen, während der rechte, von Turenne persönlich geführt, einen vollständigen Sieg davontrug, wobei die Baiern vierzig Fahnen verloren (3. August n. St.). Vielleicht dieses Unglücks wegen geht Grimmelshausen leicht darüber hin. Hier fiel Mercy, Geleen gerieth mit mehreren höhern Offizieren in französische Gefangenschaft, wurde jedoch bald wieder entlassen und übernahm das Commando für den gefallenen General.
In den October 1646 fällt die erfolglose Belagerung der Stadt Augsburg durch die Schweden unter Wrangel. Auf besondern Befehl des Kurfürsten war kurz vorher der Oberst Franz Royer oder Rouyer mit seinem Regiment mitten durch die Schweden in der Stadt angelangt; er ist derselbe, an den Weinheim überging; er war, bei Allerheim gefangen, wieder freigegeben und wird nun als Stadtcommandant von Augsburg genannt. Als die kaiserlich-kurfürstliche Armee zum Entsatz anrückte, sahen sich die Schweden zum Abzug gezwungen; in den Gefechten vor der Stadt fand »der junge Kolb« besonders Gelegenheit sich auszuzeichnen. Royer blieb in Augsburg bis zum bairischen Armistitium, welches am 6. März 1647 mit Schweden und Frankreich abgeschlossen, aber bekanntlich am 14. September schon gekündigt wurde.
Mit den von Springinsfeld im 19. Kapitel erwähnten »Generalspersonen« sind der General der Reiterei Johann de Werth und der Generalwachtmeister Spork gemeint. Der Kaiser hatte unter dem 14. Juli ein Mandatum avocatorium an die gesammten Kriegsleute der bairischen Armee »aller Grade und Nationen, als des Heil. Römischen Reichs Völker«, erlassen. Der Kurfürst antwortete mit einem Schreiben an die Generäle und Obersten, um dieselben zu beruhigen; dies gelang ihm so vollständig, daß sie jenen beiden Männern den Gehorsam aufkündigten. De Werth und Spork gelangten mit nur geringer Begleitung nach Pilsen.
Zum Verständniß der sehr vorsichtig gehaltenen Erzählung werden die folgenden, dem »Theatrum Europaeum« (Theil VI. S. 57 fg., wo die Acten, Ausschreiben und Berichte über die Maximilian Emanuel schmerzlich berührende Angelegenheit mitgetheilt werden) entnommenen Notizen genügen. Werth hatte für die Truppen, die er nach Oesterreich führen wollte, und zwar für die Regimenter Werth Spork, Lapierre, Jungkolb, einen Theil von Fleckenstein und Walbote und die Kreutzischen Dragoner als Einstellungsort die Gegend bei Vilshofen an der Donau bestimmt; die übrigen waren nach einem andern Platz beordert, darunter der Oberst Schoch. Nur dieser neben Kreutz und Guschenitz soll um den wahren Zweck des Rendezvous gewußt haben. Die in der Oberpfalz liegenden Regimenter waren dem Befehl von vornherein nicht nachgekommen, ebensowenig der im zwanzigsten Kapitel neben Lapierre genannte Oberst Elter. Alle übrigen kehrten zu ihrer Pflicht und in ihre frühern Quartiere zurück. Auf Werth's Kopf setzte der Kurfürst einen Preis von zehntausend Thalern, und gegen alle Mitschuldige erging ein von den Kanzeln zu verlesender Haftbefehl. Gegen Spork scheint man mit weniger Eifer vorgegangen zu sein. Schoch entkam mit seinem Regiment nach Tirol; Kreutz wurde in Regensburg, als er Durchzug begehrte, angehalten und in Haft genommen, der Commandant aber, der mit ihm unter einer Decke spielte, ließ ihn entkommen. Die Meuterei, über welche nun weiter berichtet wird, kann ich nicht genauer nachweisen. Es wird dies eine von dem Werth'schen Handel unabhängige Militärrevolte gewesen sein, für die man die Zeit des Waffenstillstandes als günstig ansah, und wie sie, nur in größerm Maßstabe, auch bei den Weimarischen vorkamen. Vielleicht hängt die Maßregel damit zusammen, die Maximilian nach dem kurzen Bericht des »Theatr. Europ.« (V, 1293) gegen einige Regimenter, das Lullstorfsche, Salische, Stahlische und Luppische, ergreifen mußte. Dieselben wurden reformiert, die Offiziere abgedankt, die gemeinen Knechte untergesteckt. Möglich, daß auch unser Abenteurer bei dieser Gelegenheit seinen Abschied erhielt.
Zu derselben Zeit resiginierte Gleen, um nach den Niederlanden zu gehen. Royer war als Geisel nach Regensburg geschickt, aus dem schwedischen Hauptquartier dagegen der Oberst Horn nach Augsburg.
Die letzte Dienstzeit Springinsfeld's fällt in eine Periode der Miserfolge in der kaiserlichen Armee, die nach dem alten Glück unter energischen Führern um so schmerzlicher empfunden wurde. Das Heer scheint den Grund derselben in der Führung der Generale Holzapfel, genannt Melander, und des Grafen von Gronsfeld gefunden zu haben. Der letztere wurde im folgenden Jahre nach München geführt, um sich wegen seiner Nachlässigkeit, namentlich in der Vertheidigung des Lechstroms zu verantworten; er blieb bis 1649 in Haft.
Als die alte Unruhe wieder erwachte, die Liederlichkeit und die Gaunernatur den Abenteurer von Haus und Hof trieben, war es längst in Deutschland Friede geworden. So entschloß er sich, über die Grenzen des Vaterlandes hinaus dem Kriege nachzuziehen. Er gedachte mit Nicolaus Zrinyi gegen die Türken zu fechten, ging aber zu den kaiserlichen Fahnen, denen er sein Leben hindurch gefolgt war. Wann dies geschehen, dafür fehlt in seiner ganz allgemein gehaltenen Erzählung jeder Anhaltspunkt. Zrinyi tritt erst mit dem Jahre 1664 in den Zenith seines Ruhmes ein. Unter der »letzten Hauptaction« (Kap. 22) kann jedoch nur der unter Montecuculi erfochtene Sieg bei St. Gotthard an der Raab im August 1664 verstanden werden, welchem ein von den Türken angebotener, auf zwanzig Jahre geschlossener Friede folgte. Als nach der Niederlage Rakoczi's in Ungarn und nach der Eroberung von Neuhäusel die Türken in aller Form den Krieg erklärten, hatte Frankreich eine Heerschar von fünftausend Mann zur Hülfe Oesterreichs gesandt.
Bis dahin war der Krieg auf Candia gegen die Republik Venedig im ganzen ziemlich lässig geführt, auch um die Hauptstadt war bislang mit geringem Erfolge gekämpft worden. Der Friedensschluß erlaubte jetzt den Türken, eine bedeutende Streitmacht auf den Kriegsschauplatz zu werfen, und zu Anfang 1667 lagen unter persönlicher Anführung des Großveziers mehr als dreißigtausend Mann vor Candia. Die Generäle Barbaro und Villa schickten sich zu kräftiger Gegenwehr an. Von beiden Seiten wurde an Minen und Contreminen gearbeitet, wobei die Türken gegen zehntausend Mann verloren haben sollen. Als endlich im folgenden Jahre spanische, französische und braunschweig-lüneburgische Truppen anlangten, faßte die bedrängte Besatzung neue Hoffnung. Aber die französische Abtheilung wurde unter den Mauern der Stadt vollständig geschlagen und verließ die Insel im September, auf die Hälfte zusammengeschmolzen. In der Stadt lagen nur noch viertausend Mann, und der Feind war den Vertheidigungswerken so nahe gekommen, daß die Capitulation unvermeidlich war. Der Friede mit der Republik folgte bald darauf, den 17. September 1668.