Das ist offene Beleidigung und das graue Gesicht errötet in leichter Verstörung. »Ich sagte Ihnen ja, die Sache schien mir im höchsten Grad unglaubwürdig und meine Frau bestärkte mich in der Ansicht, daß Ihnen, gerade Ihnen eine solche Handlung in keinem Falle zuzutrauen wäre.«
»Ihre Frau?« Seine dünnen, knochigen Finger klammern sich aneinander. O, das ist gemein! Sie, die ihn haßt, hassen muß bis in die letzte Faser ihres Blutes, posiert Edelmut! ‹Ihm nicht zuzutrauen› – der am Morgen nach der ersten Nacht um die andere Frau angehalten hat, der sich vor ihren Augen eine Kokotte genommen hat! Das ist Rache, kleine, gutsitzende Rache. Es ist gut so! So gut! Er fühlt sich um so viel leichter. Alles Mitleid zieht sich langsam aus seinen Augen zurück, die Pupillen bohren sich grün und spitzig in den Leib des Feindes. Nun ist er schlagbereit und harrt in grausamer Spannung der ersten Blöße, die der korrekte, fette Feind sich geben wird.
»Ja. Aber das nur nebenbei. Gestern erhielt nun die Affäre ein anderes Aussehen, das mich zu diesem – mir mindestens wie Ihnen – peinlichen Besuch zwang. Graf Kolosvary teilte mir gestern Abend mit, und gab an, dies auf Ihren ausdrücklichen Wunsch zu tun, daß Sie selbst sich offen als den Erfinder und Kolporteur dieser Geschichten bezeichnet, ja, sich dieser ‹Tat› geradezu gerühmt hätten.«
»Sie machen eine Pause. Verlangt diese Pause eine Antwort oder wünschen Sie noch –«
»Nein, nein, ich bin noch nicht ganz fertig!« Das kommt fast bittend. »Natürlich war daraufhin mein erster Gedanke der übliche an die zwei Freunde – – Wie Sie sehen, habe ich ihn fürs erste wieder fallen gelassen.«
Secundus' Mundwinkel biegen sich höhnisch herab. »Vielleicht auch unter dem Einfluß Ihrer Frau Gemahlin?«
Das arme Tier stöhnt schwerfällig und gedrückt: »Ja. Teilweise vielleicht. Meine Frau hielt ein derartiges Vorgehen Ihrerseits auch nach dieser Aufklärung für unmöglich.«
»Ach – wirklich –?«
»Und tatsächlich, es konnte ja in der Art, wie der Graf eine von Ihnen vielleicht gemachte Äußerung wiedergab, ein Irrtum – er ist immerhin über siebzig und kann sich verhört haben –. Jedenfalls, ich hab' es vorgezogen in Gottes Namen unkommentgemäß zu handeln und mir aus Ihrem Munde Gewißheit zu holen, ehe nicht Gutzumachendes geschehen ist.«
»Sehr liebenswürdig.« Seine Stimme ist schneidend und ganz licht vor Haß. »Sie fragen mich also – quasi offiziell – als der Gatte –«