»Schulden waren auch noch da aus der Baumwollpleite. Kurz, was soll ich Ihnen sagen, der Mann hat gewankt, ich sag' Ihnen, so hat er gewankt.« Und Fanto wackelt pagodenhaft mit dem kurzen Oberkörper, daß Secundus, der den Mann wirklich wanken hat sehen, erschauert.

»Aber er is doch nicht machulle gegangen. Er hat sich nix ergeben. Der Nhilius war gute Klasse. Er hat sich gesagt: Entweder – oder. Und ist Kopf voraus zurück ins Wasser gesprungen.«

»Das heißt? Sie meinen das ja wohl bildlich?«

»Natürlich, Euer Durchlaucht«, feixt Fanto. »Vor etwas über einem Jahr hat sich in Paris eine Gesellschaft konstituiert – mit 'm pompösen französischen Namen, ich weiß ihn im Moment auf Ehre nicht – etwa Aktiengesellschaft zur Verwertung mexikanischer Goldminen – auf daitsch: eine Société, was den Ankauf und die Ausbeutung eines neu entdeckten kolossalen Goldfeldes in Mexiko zum Ziel hatte. Dieses Minenfeld sollte sehr günstig – nahe der atlantischen Küste und vom Kanal liegen – fabelhafte Proben waren da – kurz und gut – eine große Sache! Die Gesellschaft hatte ein paar gute Namen angekauft, ein paar tüchtige Macher waren auch dabei, Primrose, Myers, Latour, also es wurden 25.000 Aktien à 500 Francs – macht ein Aktienkapital von fünfzehn Millionen – herausgegeben und, weil's doch Gott sei Dank immer Trotteln gibt, zum Teil auch abgesetzt. Mir war die Sache von Anfang an nix koscher – Mexiko is ä dunkles Land und die Lait' dabei waren auch nicht die dümmsten. Daß a großer Bluff dahintersteckte, hab' ich mir an den fünf Fingern abgezählt. Die Geschichte hatte aber anfangs kein Glück – Mai war sie gemanaged worden – und im Oktober standen die Shares 100 unter Pari – und die Nichteingeweihten, ich mein' die kleinen Lait', die Bluter, fingen an, rapid zu verkaufen. Damals hatte der Baron selig die Baumwollaffäre gerade abgewickelt und die Hände frei. Was glauben Sie, daß er tut? Geht hin und kauft auf ein' Tag 7000 Stück Aktien, was herumschwimmen, auf, zum Durchschnittskurs von 450, macht rund drei Millionen!«

»Da er aber nur eine hatte –?«

»Deponiert er seine Konsols und läßt die anderen zwei Drittel von der Bank belehnen.«

»Von welcher Bank?«

»Einer daitschen. Mit österreichischen hat er doch nicht operiert, der Baron selig. Also er kauft, kauft wie ein Gott, ist über Nacht Großaktionär. Durch den Riesenkauf an sich steigen die Aktien und er sorgt dafür, daß sie weiter steigen. Im November geht er nach Paris.«

»November – Paris –.« Das war damals. Dämonen, den Staub des Totenreiches auf den wunden Flügeln, streifen pfeifend Secundus' Schläfen.

»Geht nach Paris und arbeitet mit Primrose zusammen. Zehn Zeitungen werden gekauft – eine Reklame gemacht, daß mir sogar der Mund wässrig wird. Dazu tut Gott, daß sich die Lage in Mexiko zu konsolidieren beginnt, Huerta scheint das Regiment in der Hand zu haben, Rothschild in Paris interessiert sich für die Sache, der kleine Mann kauft, also was soll ich Ihnen sagen – Ende Jänner stehen die Shares auf 800 – Primrose und Myers beginnen ganz langsam im Dunkeln abzustoßen – Nhilius hält und kauft noch 500 Stück dazu – Nhilius hat recht – an dem Tag, wo er selig gestorben ist, notieren sie 880, heute 904.«