»Ich danke, ich danke, Durchlaucht. Mir genügt mein stilles Wirken und der vertrauensvolle Dank der höchsten Stelle. Aber, um auf Ihre Anregung zurückzukommen, es ist mir nicht unbekannt, daß Durchlaucht ein gewisses Interesse an der Baronin haben.«

»Ein negatives, rein psychologisches, liebe Frau Adèle. Experimentalpsychologie.«

»Ich verstehe vollkommen, Durchlaucht. Da Sie zweifellos besser informiert sein dürften als ich, gestatten Sie die Frage: Sie halten den Moment für gekommen, an die Dame heranzutreten?«

»Soweit ich die Lage überblicke, glaube ich ‹Ja› antworten zu dürfen.«

»Sie halten also die Widerstandskraft der – für hiesige Verhältnisse zweifellos ganz merkwürdig anständigen – Frau genügend geschwächt, einem Anerbieten meinerseits nachzugeben?«

»‹Geschwächt› möchte ich nicht sagen. Aber ich glaube, daß jener psychologische Augenblick vollständiger Gleichgültigkeit, Nervenerschlaffung, Apathie, mit einem Wort, désinteressement absolu an der eigenen Person eingetreten ist, der bewirken wird, daß die Dame, schon um sich die Mühe weigernder Worte zu ersparen, bedingungslos auf jede halbwegs geschickt gestellte Proposition eingehen dürfte.«

»Ich würde natürlich mit der äußersten Delikatesse ans Werk gehen, die Baronin völlig als Dame behandeln, als meinesgleichen, wenn ich so sagen darf –«

»Auch das dürfte von guter Wirkung sein, da die Baronin seit jüngst in dieser Hinsicht kaum verwöhnt ist und jede Liebenswürdigkeit Ihrerseits in ihrem Unterbewußtsein sicher dankbar empfinden würde.«

»Verlassen Sie sich auf mich, Durchlaucht. Ich glaube auf diesem Gebiet alle Register zu beherrschen. Die Gräfin V. nach ihrer Scheidung zu dem ersten Schritt in mein Haus zu bewegen, war auch keine Kleinigkeit. Heute führt sie eine Maison in Petersburg.«

»Ich vertraue Ihnen unbedingt. Vor allem jedoch wird starke Energie, möglichst große persönliche Suggestion am Platze sein.«