»Wenn tatsächlich jener Moment seelischer Stagnation eingetreten ist, wie Durchlaucht es schildern, halte ich den Erfolg für sicher. Durchlaucht können überzeugt sein, daß ich alles einsetzen werde, schon aus Prestigerücksichten. Frau von Nhilius gilt als eine der anständigsten Frauen der Stadt, ihre Anwesenheit in meinem Salon würde triumphal für die Sache wirken, auch finanziell viel für mich bedeuten.«
»In dieser Hinsicht liegt ein Scheck auf 100.000 Kronen bereit, an Ihre Adresse abzugehen.«
»Meinen herzlichsten Dank, Durchlaucht. Eine so enorme Summe gibt Ihnen natürlich Vorrechte. Haben Sie für den Fall eines Gelingens besondere Wünsche?«
»Ich möchte, daß alles geheimgehalten wird, bis ich selbst das nötige Arrangement getroffen habe. Und dann – ich glaube, Sie werden die Dame wohl ziemlich mühelos herbekommen, sobald sie aber hier ist, dürfte starker Widerstand einsetzen.«
»Das ist meist so.«
»Für diesen Fall empfehle ich Ihnen äußerste Strenge. Schrecken Sie auch vor Erniedrigungen nicht zurück. Sie haben von mir aus völlig freie Hand.«
»Ich verstehe. Wir greifen nur selten und ungern zu körperlicher Züchtigung, aber wenn eine solche unvermeidlich ist –«
Secundus' Mund verzerrt sich leicht: »Es liegt mir daran, daß die Baronin alles auf diesem Gebiet kennen lernt – alles –«
Die elegante dicke Dame lacht etwas tückisch und durch ihr Parfüm beißt leichter Hyänengeruch. »Sie werden zufrieden sein.«
Nicht ganz drei Wochen später – der Umkreis des Jahres ist geschlossen, es ist wieder November und der Tag Allerseelen bricht mit heiseren Glocken aus schwarzen Nebelschwaden herauf – erhält er ein sanft parfümiertes Billet, in dem eine zierliche Handschrift ihm mitteilt, daß die neulich gesprächsweis erwähnte Dame es nunmehr vorgezogen habe, ihr bisheriges Logis zu wechseln und die besprochene neue Wohnung zu beziehen, woselbst sie sich freuen würde, Seine Durchlaucht gelegentlich zu empfangen.