»Nicht, nicht, Lieber, Lieber. Alles ist gut. So gut.«
Er hebt, wie aus äußerster Finsternis herauf erschaffen, noch am Lichte zweifelnd, sein Haupt und blickt in ihr Angesicht: »Und du hast – alles gewußt? Immer alles?«
Ihr Lächeln – ein Sternenstrom stürzt nieder über sein Antlitz und glüht Angst und Trauriges von seinen Schläfen ab. »Immer alles. Das heißt – nein. Die erste Zeit – die ersten Tage – gab es Stunden – nein, das nicht – Minuten – nein, nicht so lang – Sekunden gab's, wo ich zweifelte. Dann erzählte mir jemand, er hätte dich gesehen, wie du einem alten Schimmel, der vor einem Lastwagen auf der Straße, schlecht zugedeckt, dampfte, die Decke über den Rücken zogst. Seither wußte ich, daß alles nur Liebe ist.«
»Und hast nie gezweifelt?«
»Lebte ich noch?«
»Ich habe so viel gelitten, weißt du –?«
»Kind du – meinst du, ich weiß es nicht? Mir war ja alles leicht, denn ich wußte es doch, daß das Ende solche Seligkeit sein würde. Aber du, du littest ja hoffnungslos, mußtest hoffnungslos leiden, denn du glaubtest außerhalb der Gnade zu stehen und wußtest nicht, daß Gott dein Opfer wog und wertete. Mich erniedrigend, hast du mich erhöht, mich hassend, hast du mich besser geliebt als je Liebe auf Erden war, denn du hast nicht Dich mir dargebracht, sondern, was dir tausendmal mehr galt, du hast in dir mich selber mir geopfert. Du hast deiner Liebe die Liebe selbst verbrannt!«
»Das alles – wußtest du! –«
»Ich liebte dich doch. Und hätte das nicht wissen sollen? So gerne hätte ich dir geholfen, mein Geliebter. Aber auch das mußte geschehen. Auch meinen Körper mußtest du mir opfern. Du bist doch ein Mann. Gesteh nur, daß dir das am schwersten fiel?«
»Aber warum, warum mußte das sein?«