In einer zweiten weit weniger individuellen Marmorbüste (bei Herrn G. Dreyfuß in Paris) hat man wegen des Wappens auf dem Ärmel des Damastgewandes eine Colleoni erkennen wollen und dementsprechend die Arbeit Verrocchios letzten in Venedig verbrachten Lebensjahren zugewiesen. Allein das Wappenzeichen stimmt nur sehr ungefähr, um nicht zu sagen gar nicht mit dem leicht kenntlichen jenes Condottiere überein, Tracht und Frisur zeigen die florentiner Mode um 1470, und in der Profilansicht rückt die Büste ganz in die Nähe jener, die nicht recht überzeugend Desiderio da Settignano zugeschrieben werden. Eine bündige Kritik ist hier unmöglich, da die Büste, am Hals gebrochen und zusammengestückt, auch noch durch zu scharfes Reinigen erheblich gelitten hat. Am Hinterkopf, auf dem die sehr künstliche Frisur mit eingeflochtenen Bändern und Blumen aufliegt, kann die ehemalige Sorgfalt des Meißels noch erkannt werden. In ihrem jetzigen Zustand darf die Arbeit keinen höheren Anspruch erheben als unter dem Sammelbegriff Verrocchio katalogisiert zu werden.

Eine weibliche Thonbüste bei Mr. Foulc in Paris ist ebenfalls nicht tadellos erhalten. Sie entzieht sich insofern meiner Beurteilung, als sie mir nur in einer Abbildung bekannt geworden ist. Bei individueller Belebung des Kopfes, in dem der sehr lebendige Mund auffällt, scheint sie mir ein gutes Beispiel für Verrocchios Auffassung weiblicher Bildnisse abzugeben, die sich auffällig derjenigen Desiderios verwandt zeigt. Das Gewand ist leider recht nüchtern ausgefallen. —

Die Gerechtigkeit.

Die Liebe.

Der Glaube.

Die Hoffnung.