Die bezeichneten alten Moränenwälle stellen aber nicht die äußersten Grenzen der einstigen Gletscherausdehnung dar, sondern der Eisstrom erstreckte sich in einer noch frühern Periode bedeutend weiter in das Collanes-Tal hinaus. Wenn wir oberhalb unseres Lagers vom Kamm der alten südlichen Moräne talabwärts schauen, sehen wir etwa 1½ Kilometer weiter draußen an der südlichen grasigen Steilwand des trogförmigen Collanes-Tals bis zu etwa 200 Meter hinauf vier terrassenartige Stufen ziemlich parallel übereinander und parallel dem Talgrund entlang ziehen, die mit großen und kleinen Blöcken besetzt sind und offenbar Abstufungen alter Ufermoränen darstellen. Noch weiter draußen, am Ende des Taltrogs, schließt ein mehrfach gestufter, bogenförmiger Schuttwall, eine alte Endmoräne schönster Ausbildung von ungefähr 20 Meter Höhe, das trogförmige, flachsohlige Collanes-Tal querüber ab.
Die Caldera des Cerro Altar, vom Collanes-Tal aus.
Nach einer Zeichnung von Rudolf Reschreiter.
Bis hierher haben wir also in dem »U-Tal« das vollkommene Bild eines alten Gletscherbettes, in dem der von den Firnmassen der Caldera genährte Altargletscher vor Jahrtausenden, aber immer noch in einer geologisch jungen Vergangenheit – denn der Altar selbst ist nicht älter als pleistozän – als ein bis 300 Meter dicker und bis 2½ Kilometer langer Eisstrom das Tal erfüllt, ausgeräumt und ausgeschliffen hat. Dann hat er sich, wie die Moränen zeigen, in mehreren Abschmelzungsperioden mit dazwischenliegenden Ruhepausen zurückgezogen, zuletzt bis in den Kraterkessel des Altar, indem er das rezente Rückzugsgebiet mit frischen Schuttdecken überzog.
Marktplatz in Quito mit Klosterkirche San Francisco.
Aber noch eine weitere Eigentümlichkeit fällt uns von unserm Aussichtspunkt aus auf. Die Seitenwände des Tals sind bis zur Höhe von etwa 300 Meter über dem Talboden an allen Vorsprüngen und Kanten abgerundet und ausgeglichen. Darüber rücken die Wände in einer schiefen Terrasse oder Leiste etwas zurück, und oberhalb von dieser sind sie in allen ihren Formen eckig und rauh. Der untere Teil der Talmulde mit den abgerundeten Formen ist ganz offenbar ein »Tal im Tale«, und die Talleiste am Fuß des obern Talniveaus ist ein »Trogrand«, der Rest eines alten Talbodens, in den der jüngere, tiefere, schmälere Taltrog eingesenkt ist. Diese und andere glaziale Anzeichen, z. B. die Hängetäler der Seitenbäche, bestätigten meine Vermutung, daß das Collanes-Tal das Erzeugnis einer zweimaligen Vergletscherung ist. Näher will ich hier nicht darauf eingehen.
Hochland-Indianer in Quito.