Schädel eines von mir erlegten, fast fünf Meter langen Krokodils.

Krokodile und Flußpferde.

„Es hat auf der Erde eine Zeit gegeben, in der die Kriechtiere das große Wort führten,“ schrieb Brehm im „Tierleben“ am Anfang des Abschnitts über die Panzerechsen, und an diesen Satz wird erinnert, wer gesehen hat, wie die letzten Vertreter dieser Tiere in gewissen Gegenden Ostafrikas noch heute ein Wort mitsprechen. Die Eingeborenen sind machtlos dem „Leviathan“ gegenüber, wie der Dichter des Alten Testamentes das Nilkrokodil nennt, der auch von ihm sagt: „Wenn du deine Hand an ihn legst, so gedenke, daß ein Streit sei, den du nicht ausführen wirst.“ — Mit Pfeil und Bogen, mit Speer- und Steinwürfen ist dem Ungeheuer, das durch eine starke Schuppenhaut geschützt wird, allerdings nicht beizukommen. Wohl werden einzelne, von Eingeborenen mit List und großer Mühe erlegt, in Fischnetzen zufällig gefangen oder auch geangelt; doch die Vermehrung ist so stark, daß die Krokodile nur in Gegenden, die der Europäer mit seinen guten, treffsicheren Waffen auf längere Zeit besucht, ganz vernichtet werden. Dem Gewehrgeschoß bietet kein Krokodilpanzer erfolgreich Widerstand; kleine Krokodile kann man sogar mit dem Schrotgewehr schießen.

Jeder Europäer, selbst wer nicht Jäger ist, beteiligt sich eifrig an dem Vernichtungskrieg, und auch ich habe, nachdem ich die grauenhafte Gefahr, von Krokodilen gepackt und ersäuft zu werden, selbst in der Nähe gesehen habe, eine Ehre darin gesucht, möglichst viele der schädlichen Räuber auf die Schußliste setzen zu können. Meine ganze Bleispitzenmunition widmete ich dem Schießsport auf Krokodile, und tat es gern, weil unzuverlässige Patronen darunter waren, die Versager gaben, und deshalb zu anderen Zwecken nicht verwandt werden konnten. Die 11/12-Mantelgeschosse mit Bleispitze rissen sehr stark und waren deshalb wirksamer als Vollmantelgeschosse.

Dreihundert Krokodile.

Nahezu dreihundert Krokodile rühme ich mich während des Aufenthalts in Ostafrika ums Leben gebracht zu haben. Es ist das einzige Wild, bei dem man die große Zahl der erlegten Tiere als Erfolg angeben darf, während die Afrikaner einem durchaus nicht Bewunderung zollen und noch weniger erfreut sind, wenn man sagt, man habe z. B. so und soviel Kuhantilopen geschossen. Das Streben des passionierten Jägers geht in Afrika nicht dahin, sich einer großen Strecke rühmen zu können, sondern eine möglichst vielseitige Ausbeute zu haben und Erlebnisse auf alle Arten Hochwild zu suchen. Große Strecken kommen aber doch vor, und reiche Ausbeute an Trophäen läßt sich oft auf die besonderen Umstände bei längeren Expeditionen zurückführen, wo Wild zur Verpflegung der Träger und Soldaten geschossen werden mußte, ist also durchaus nicht immer zu verurteilen.

Im Gegensatz dazu erfreut bei Krokodilen die hohe Zahl der vernichteten Tiere, und Rekorde sind im Interesse der Menschen erwünscht.

Es soll über zwanzig verschiedene Arten von Krokodilen geben; in Ostafrika haben wir es allein mit dem Nilkrokodil zu tun. Dies bevorzugt Süßwasserseen und Flüsse, kommt nur ausnahmsweise in das Salzwasser des Meeres und ist daher in den Buchten der Küste nur zu finden, wo Flüsse einmünden.