Zwei kleine Krokodile liegen auf Wurfweite vor mir; mit dem Doppelglas kann ich jede Falte ihrer Haut sehen und sogar die länglichen Augensterne erkennen. Die Tiere liegen ganz auf dem Trockenen; plötzlich erscheint auf etwa zwanzig Schritt die flache Oberfläche eines Krokodilkopfes, in langsamer Bewegung sich dem Ufer nähernd; dahinter taucht der zackige Kamm des langen Schwanzes auf. Vorsichtig bleibt das Tier, bewegungslos dicht am Ufer liegen und hebt sich erst nach geraumer Zeit, langsam aus dem Wasser; beschreibt auf dem Sand einen Halbkreis, läßt sich plötzlich schwer auf den Bauch fallen und sperrt den Rachen weit auf. Da es sich in der Drehung von mir ab und wieder dem Wasser zugewandt hat, kann ich nur einen Teil des Kopfes sehen.
Stunden vergehen. Über die Sandbank kommen Nilgänse, die an einer Lagune zur Äsung waren; graue Fischreiher, fleischfarbene Pelikane und weiße Löffler fallen weiter unten ein; dazu setzen sich gelbschnäblige Störche.
In meine Nähe scheint nichts mehr zu kommen; da ziele ich denn in aller Ruhe auf den dicken Wanst des Drachenviehs, das in seinem bronzegrünen, schwarz gefleckten Panzerkleide dicht vor mir liegt. Von hinten, etwas seitlich soll ihm mein Geschoß in den Brustkorb dringen und das Herz treffen — — — Rrumms!
Blitzschnell fährt es mit dem Kopf vorne hoch und reißt den Rachen, der von spitzen, weißen Zähnen starrt, weit auf, sinkt in sich zusammen, klappt noch zweimal laut mit den Kiefern und verendet.
Die beiden anderen Krokodile waren auf den Schuß in das Wasser gestürzt und die Vögel hatten sich in die Luft gehoben.
Der Drache ist tot und ich kann ihn in Ruhe betrachten.
Die Farbe seiner Haut ist nur oben und an den Seiten dunkel, die Bauchseite zeigt ein feines Elfenbeinweiß. Der Rumpf ist langgestreckt, der Schwanz seitlich als Ruder zusammengedrückt. Auf ihm laufen zwei Kammreihen entlang, die sich am Ende zu einer vereinen.
Die Füße stehen nach den Seiten weg. Sie haben vorne fünf, hinten vier Zehen, die durch Schwimmhäute verbunden sind und Krallennägel tragen. Das kleine, grüne Auge wird durch drei Lider geschützt; die Ohröffnungen können durch klappenartige Hautfalten, die Nasenlöcher, die vorne im Oberkiefer liegen, durch Aneinanderdrücken ihrer wulstigen Ränder geschlossen werden, wenn das Tier untertaucht.
Da die Gefährlichkeit der Krokodile sehr verschieden ist, kommt es immer wieder vor, daß leichtsinnige Menschen verunglücken; wenn alle Krokodile gefürchtet würden, wäre das nicht der Fall.
Da die Hauptnahrung der Tiere in Fischen besteht, gibt es Gewässer, in denen die Krokodile ungefährlich sind, weil sie reichlich Nahrung haben. Man sagt, daß sich in allen Gegenden, die von der Kultur unberührt bleiben, der Bestand an Krokodilen und Fischen das Gleichgewicht halten. Wenn nämlich die Raubtiere überhand nehmen, beginnen sie sich bald, aus Mangel an Nahrung und der lästigen Konkurrenz halber, gegenseitig aufzufressen und dann bekommen die Fische wieder freiere Bahn. Auf Tiere, Wasservögel oder gar Menschen, die zur Tränke kommen, sind die Krokodile demnach nicht angewiesen; doch mag ihnen der Fischfang in manchen Gegenden so schwer fallen, daß sie gerne jedem anderen Bissen auflauern, während sie an anderen Plätzen mehr gesättigt sind.