Nutzen des Flußpferds.
Leider konnten wir von der Beute nichts verwerten als die Zähne; die Eingeborenen in der Gegend aßen das Fleisch nicht, während andere Negerstämme sich darum reißen. Die Schwarte war so rissig und durchlöchert, daß ich kaum ein gutes Stück fand, aus dem ich Peitschen schneiden konnte. Die Decken der Tiere waren daher für uns wertlos; auch die Händler hatten uns geantwortet, sie kauften keine Flußpferdhaut. (Wie verschieden übrigens die Verhältnisse oft sind, lehrt folgendes Beispiel: Die Inder in Mohorro kauften Wildhäute zu bestimmten Marktpreisen nach Gewicht. Sie nahmen gern Felle von Antilopen, Gnus und Schweinen, wollten mir aber mein Büffelfell nicht abkaufen und nahmen keine Flußpferdhaut. Das hatte ich in Erinnerung, als ich später am Kilimandscharo zwei Büffel schoß; und ich verschenkte die Häute an meine Träger. Kurz darauf wurde ich in Moshi nach den Fellen gefragt und erfuhr, daß sie dort ein ganz besonders gut bezahlter und sehr gesuchter Artikel seien. Dagegen wurden Antilopenhäute dort sehr schlecht bezahlt. Ähnlich ging es mit Nilpferdhaut; am Rufiyi nahm sie der Händler nicht geschenkt; in Daressalam und Sansibar boten die Inder hohen Preis. Das wußte ich nicht, als wir die vielen Tiere schossen und so mußte das wertvolle Material ungenutzt verfaulen.)
Es war auch ein Mangel an Erfahrung dabei, wenn ich glaubte, man könne die Tiere nicht nutzen. Das habe ich später bei den Buren gesehen und aus den Erzählungen südafrikanischer Jäger gelernt. Einer, der die Jagd berufsmäßig ausübte, hätte vielleicht großen Gewinn daraus gezogen, wenn er das Fell präparierte, die Knochen klein stampfte zu Düngungszwecken und Leimfabrikation, das Fett zu Seife einkochte und das Fleisch als Hühner- und Hundefutter trocknete. Ein feistes Flußpferd liefert etwa achtzig Pfund Fett, das sehr gut schmeckt und sich in den Tropen zum Braten besser eignet als irgend ein anderes Fett. Die Buren räucherten sogar Speckseiten von Flußpferden.
Das Flußpferd hat überhaupt viel Ähnlichkeit mit dem Schwein — bei den Ägyptern hieß es „Flußschwein“. — Sein Fleisch kann ich als schmackhaft bezeichnen, wenngleich ich alle Fleischsorten, die ich probierte, vom Elefanten bis zum Steppenhasen, bei der völligen Unkenntnis meines Kochs, gleich schlecht zubereitet bekam.
Wenn der Abschuß großer Flußpferdherden noch irgendwo notwendig wird, sollte man ihn Jägern überlassen, die damit Geld verdienen und Nutzen aus den Tieren ziehen können. Insofern bedaure ich, daß wir dort eingegriffen haben. Uns brachte es jedoch in gewisser Beziehung auch einigen Nutzen: Die Eingeborenen sahen die Wirkung unserer Waffen, waren dankbar für die Vernichtung der Tiere im Interesse der Landwirtschaft, und dachten nicht mehr daran, auszuwandern.
Es war ärgerlich, daß die Neger kein Flußpferdfleisch essen wollten. Vor zwanzig Jahren nämlich sollen sie es noch gerne gegessen haben. Ihr Vorurteil kommt von den Mohammedanern; die essen kein Fleisch von Tieren, denen nicht die Gurgel abgeschnitten wird, solange sie noch leben. Wahrscheinlich weil eine solche Handlung bei den Dickhäutern nicht auszuführen ist, verzichten die mohammedanischen Neger auf das Fleisch.
Wenn ich auch sonst jede Äußerung religiösen Empfindens beim Neger achtete, habe ich diese Angewohnheit lächerlich gemacht, wo ich immer Gelegenheit dazu hatte.
Den armen Negern wird mit solch einem Vorurteil kein Gefallen getan, und der Weiße kann in große Verlegenheit kommen, wenn er nichts Anderes als Flußpferd hat, um seine Arbeiter zu verpflegen.
Wenn schon der Islam nicht die Religion ist, die diese Neger brauchen, ist überhaupt kein Grund, auf religiöse Gebräuche Rücksicht zu nehmen, die den kulturellen Aufgaben des Europäers geradezu entgegen sind. (Menschenfresserei dulden wir nicht; auch wenn sie aus tiefer Religiösität entspringt; den Massai zeigen wir, daß wir nicht einverstanden sind, wenn sie Vieh rauben, weil ihre Religion sagt, alles Vieh gehöre eigentlich den Massai.)