Die Natur der uns umgebenden Wälder ist in den Karten treffend mit den Ausdrücken: „lichter Buschwald“, „Parklandschaft“ bezeichnet. Man geht zwischen niederen Büschen im Schatten größerer Bäume.
Eindrucksvoll ist der sogenannte Galeriewald, der die Ufer des Sees und die jetzt trockenen Flußbetten säumt. Nach dem Wasser hin bildet er, wie Regenwald, Wände grüner Pflanzenmassen, auch in der Trockenzeit. Im Unterholz finden sich, die Laubbäume umschlingend und verbindend, Lianen mancherlei Art, dazwischen große und kleine Dumpalmen; stellenweise stehen ganze Haine der etwa fünfzehn Meter hohen Palmen beisammen und alte, von Tieren abgenagte Kerne liegen haufenweise auf dem Boden. Dieselben Kerne fand ich häufig auch an Stellen, wo keine Palmen standen, als Reste von Elefantenlosung; denn die Elefanten lieben die Früchte, und auch die Menschen nagen gern die dünne Fleischschicht ab, die den großen Kern umgibt und im Geschmack an Äpfel erinnert.
In einer Talsenkung war eine kleine Waldwiese mit einem Teiche.
Ich hatte gehofft, hier irgend etwas Besonderes zu finden; doch nur zwei junge Swallahböcke mit handlangem Gehörn spiegelten ihre schlanken Leiber in dem glatten Wasser. Sonst war der Wald wie ausgestorben; wo keine Vögel, keine Affen sind, da kann man auch kein Raubzeug erwarten.
Um so lebendiger war es am See. Dutzende von Krokodilen lagen am Ufer, Flußpferde fauchten und trieben sich im Wasser; die Vogelwelt fehlte aber auch hier gänzlich.
Im Lager erwarteten mich Boten mit Greuelnachrichten aus fernen Gegenden, und schleuniger Rückmarsch zum Strom schien geboten. Die angekündigten Wapogoro waren noch nicht zu sehen. Sollte ich ihretwegen bleiben? — Sie konnten ja auch nachkommen!
Das Essen war fertig, die Lasten geschnürt, ich wartete bis gegen drei Uhr, dann brach ich auf. Nach kurzem Marsche öffnete der Himmel plötzlich seine Schleusen und ein Regen, wie ich ihn noch nicht gesehen hatte, strömte auf uns und auf den von der Trockenheit zerklüfteten Boden herab; in unglaublich kurzer Zeit stand das Wasser fußhoch. Ich hatte keine Blechkoffer und mußte um meine Sachen und Sammlungen in den Kisten besorgt sein. Aber was half es! Die Sorge war zwecklos und wich bald einer stillen Ergebung in das Schicksal. Wir selbst wurden durchnäßt bis auf die Haut; weiter ging es nicht, damit tröstete ich mich und den Unteroffizier.
Ein neues Mißgeschick kam hinzu: Mein Reittier wollte nicht mehr vorwärts. Es war offenbar krank, und schien überhaupt nicht mehr leben zu wollen. Unter Bewachung einiger Askari wurde es im Busch zurückgelassen. Wir haben später nur sein Grab wiedergesehen.
Als die Abendsonne noch einmal durch die Wolken brach, wie um nachzusehen, welchen Eindruck die Dusche auf uns gemacht hatte, wurden ihre spärlichen Strahlen noch genutzt, um unsere Sachen schnell zu trocken. Wir befanden uns in einer Ortschaft unterworfener Leute im Busch. Große Feuer wurden angezündet und das Mißvergnügen über die Unbequemlichkeiten der Regenzeit beim Abendbrot vergessen.
Riedböcke.