Wieder fiel der Mangel an jedem anderen Wild auf; nur Büffel und Nashörner waren in dem hohen, trockenen Grase zu spüren, während alte, eingetrocknete Fährten zeigten, daß sich hier zu anderer Jahreszeit Löwen, Leoparden und viele große und kleine Antilopen der verschiedensten Art aufhielten.

Sobald das Gras höher wird, verziehen sich, wie es scheint, die schwächeren Wildarten in die offene Steppe, aus Furcht vor den Raubtieren, die sich ihnen im Grase zu leicht nähern können. Nur die wehrhaften Dickhäuter, denen die großen Katzen nichts anhaben, dürfen sich weiter in der Kühle der Wälder aufhalten; wahrscheinlich würden auch die Antilopen und Zebras nicht in die sonnige, heiße Steppe gehen, wenn der Löwe nicht wäre.

Fährtensuchen.

Heute leisteten die drei ausgesuchten Neger, die mich begleiteten, gradezu Bewundernswertes in der Ausdauer und Gewissenhaftigkeit beim Fährtensuchen. Eine besondere Glanzleistung war es, festzustellen, wo die Tiere eine Waldwiese, auf der sie äsend hin und her gezogen waren, verlassen hatten. Da meine Leute zuverlässig arbeiteten, hatte ich nichts weiter zu tun, als mich fertig zu halten für den Augenblick, in dem wir auf die Büffel stoßen würden, und mich nur manchmal zu überzeugen, ob die Fährte, der wir folgten, frisch war.

Ohne Hilfe von Negern, allein eine Fährte zu halten, ist sehr ermüdend. Acht Augen sehen mehr als zwei; aber es gilt, sie richtig zu nutzen. Ich möchte sagen: es gibt auch eine Führung der Fährtensucher; und die muß der Schütze übernehmen. Er selbst sieht gerade aus und bleibt auf dem letzten, mit Sicherheit festgestellten Zeichen stehen. Von da aus kann er oft, indem er nur in der Richtung sieht, in der das Wild voraussichtlich gegangen ist, ein entferntes Zeichen sehen, dorthin gehen, seine Leute neu ansetzen und so Zeit und Nervenkraft sparen. In dem dichten Busch gibt es meist nur wenige Durchgänge, die das Wild genommen haben kann, und am wahrscheinlichsten ist es immer, daß es die Hauptrichtung inne gehalten hat; da wird zuerst gesucht. Allmählich bekommt der Jäger große Übung darin, ganz unauffälligen Merkmalen sichere Schlüsse zu entnehmen. Der Strich des Grases z. B. zeigt ihm, wo ein Tier hindurch gegangen ist. — Ich spreche selbstverständlich nur von trockenem Grase; denn im saftigen Grün kann jeder Laie einer Fährte folgen. —

Besonders wichtig ist es, darauf zu halten, daß niemand zu früh in eine Fährte läuft, von der nicht sicher festgestellt wurde, daß sie die richtige ist; sowie Menschen in der Fährte gegangen sind, wird sie verwischt und unkenntlich.

Die besten Aussichten auf erfolgreiche Arbeit hat man mit gewissenhaften Spürnegern, viel Verdruß aber mit solchen, die darauf losgehen und durch ein sicheres Benehmen die übrigen in Unaufmerksamkeit einwiegen. Wenn eine Fährte verloren ist, soll man nicht ausschwärmen lassen, um sie wieder zu finden, sondern befehlen: „Alle stehen bleiben!“ und mit den sachverständigsten zwei Leuten vorsichtig einen Kreis schlagen. Erst wenn das zu keinem Ergebnis führte, kann man die Neger in alle Richtungen schicken, um vielleicht in größerer Entfernung eine Spur wieder zu finden; das ist dann besser als gleich umkehren zu müssen.

Ich habe es oft so gemacht: mich ruhig hingesetzt und gegrollt, daß meine Methode nicht ohne weiteres zum Ziele führte und die Neger zu zwei und zwei in verschiedene Richtungen geschickt mit dem Befehl, nach einer halben Stunde wieder zurück zu sein, falls nicht ein Pfiff sie schon vorher riefe.

Die Reize einer solchen Fährtenfolge liegen in der Erwartung, jeden Augenblick das Wild zu sehen, für dessen Anwesenheit der Jäger als sicherste Urkunde den Abdruck der Hufe vor sich hat.

Pirschkunst.