Je länger man einer Fährte folgt, um so stärker wird der Wunsch, Erfolg zu haben; es ist so, als ob man viel Kapital in eine Sache gesteckt hat und es nicht ganz verlieren will. Deshalb ist es sehr ärgerlich, wenn man nach fünf Stunden an eine Stelle kommt, wo die Fährten so undeutlich kreuz und quer gehen, daß niemand aus noch ein weiß.
So ging es uns heute, und mein Begleiter, der mir sagte, er kenne solche Sachen, wie ich sie hier machte, nur aus dem Lederstrumpf, glaubte nicht an den Erfolg und hatte längst den Mut verloren.
Als die exakte Methode (von dem letzten mit Sicherheit beobachteten Fußabdruck den folgenden zu suchen und keinen zu überspringen) zu keinem Resultat führte, ließ ich in größerer Entfernung suchen und da fanden wir die Fährte wieder.
Wir kamen aus der Schilfebene in hohen Buschwald mit hartem Boden. Die Fährten der großen, schweren Tiere waren hier wirklich kaum zu sehen; die Schalen einer kleinen Antilope drücken sich im Boden deutlicher ab, als die breiten, weichen Kissen[25], die der Elefant unter den Füßen trägt, und er geht damit so leise, daß man ihn kaum hört.
Auf unserm Wege erlebten wir noch einen Zwischenfall: Ich sah auf einem Baume einen Geier sitzen und schickte einen Neger hin, der nachsehen sollte, ob ein Stück Wild dort gefallen sei. Der Neger kam entsetzt zurück und führte uns zu der Leiche eines Mannes, der offenbar erst in der letzten Nacht getötet worden war. Die linke Brust war häßlich zerfleischt. Deutliche Fährtenabdrücke im Staube verrieten den Täter: einen starken Löwen.
Später erfuhren wir den Zusammenhang:
Der Löwe hatte den Neger in der Nacht aus einer Hütte geholt, die vier Kilometer von dem Platz entfernt war, an dem wir den Toten fanden.
Ein Bote benachrichtigte die Neger des Dorfes, die schon, bis an die Zähne bewaffnet, der Fährte des Löwen gefolgt waren, die Verfolgung aber aus Feigheit aufgegeben hatten und sich statt dessen an Pombe betranken.
Bei den Elefanten.
Wir folgten der Fährte der Elefanten weiter und kamen in ein Tal, in dem uns eine scharlachrote Blätterwand schon von weitem auffiel. In Deutschland ist der Herbst die Jahreszeit der bunten Blätter, in Afrika offenbar der Frühling, der Anfang der Regenzeit. Man denke sich die zarte, blutrote Farbe junger Eichentriebe von Baum zu Baum fortgesetzt auf eine weite Strecke hin; darunter das satte Grün junger Gräser: so war das Bild, das wir hier sahen.