Und von der erfolgreichsten Pirsch auf diese starken, ungeheuren Dickhäuter will ich erzählen.
Während noch vor drei Jahren am Kilimandscharo Nashörner in der offenen Steppe ein geradezu häufiges Wild waren, habe ich lange suchen müssen, bis ich das erste Nashorn in so freiem Terrain traf, daß ich es photographieren konnte.
Die Buren haben sich durch den leichten Verdienst locken lassen und haben die Nashörner niedergeknallt, wo sie irgend zu erreichen waren. Meist töteten sie die Tiere nur um die Hörner mitzunehmen.
Als ich nach Arusha kam, begegnete mir kurz vor dem Städtchen ein Neger mit fünf Doppelhörnern, die sein „Herr“ erbeutet hatte. Das längste Horn war handlang. Einige waren so klein, daß beide Hörner zusammen noch nicht ein Pfund wogen. Für ein Pfund Horn wird am Kilimandscharo vier Mark gezahlt; für den Preis eines Hasen wird ein solch wertvolles, riesiges Tier getötet! Und alle fünf Nashörner brachten dem glücklichen Schützen vierzig Mark ein; das ist soviel, wie er nach dem Jagdgesetz für jedes einzelne Tier Schußgeld an den Staat zahlen müßte.
Aber ich will hier nicht von den Buren sprechen; sonst müßte ich auch ihre großen Vorzüge und alle ihre Fehler nennen und dazu fehlt mir der Raum. Außerdem glaube ich, hätten hundertundzwanzig Deutsche, unter denselben Bedingungen (in derselben wirtschaftlichen Lage) an den Meru gesetzt, nicht anders gehandelt, als die Buren es taten; und wenn jeder einzelne nur soviel geschossen hätte, wie ein reisender Sportsmann schießt, dann wären die Nashörner ja auch schon vernichtet. Die weißen Männer sind den natürlichen Schätzen eines Landes gegenüber nicht besser als jene Horden König Etzels. Darüber wollen wir uns nicht mehr wundern. Und wenn von dreien, die hinausgehen, zweie erzogen sind, so wird der dritte, unerzogene allein imstande sein, zu vernichten. Die andern werden ihm bald helfen, weil ihre Enthaltsamkeit „doch nichts nutzt“.
Es war während einer Jagdreise, die ich im Herbst 1906 in die Massaisteppe machte; ich hatte sechzig Neger und keinen Europäer mit mir.
An einem einsamen Berge in der Steppe hatte ich mein Lager aufgeschlagen, um ungestört Löwen und Nashörner photographieren zu können. Tagelang war ich vergeblich umhergestreift, ließ aber den Mut nicht sinken, weil ich die Gegend täglich besser kennen lernte; weil Löwen da waren und Nashörner zur Tränke kamen.
Eines nachts schlief ich dem Berge gegenüber in einem trockenen Flußbett und erwachte, wie gewöhnlich, kurz vor Sonnenaufgang.
Schnell weckte ich die Neger, die mit mir gehen sollten, und ging auf den Berg los.
Ich kam zu der ersten Wasserstelle, fand aber dort keine Spuren und ging am Rande der Busch- und Graszone zu der zweiten Wasserstelle.