Die roten Böcke,[34] die ich täglich sah, standen wieder nahe beim Wasser.
Sollte ich auch heute keinen Erfolg haben? Ich blieb stehen; stumm standen auch meine Neger da.
Hoch über mir starrte die Steinkuppe des Berges kalt und unbewölkt in den flimmernden Äther. Die letzten Sterne konnte ich gerade noch sehen, wie sie herabsahen auf erwachende Menschen, auf Tiere, die zur Ruhe gingen. Dann goß die Sonne ihr Licht über die krausen Baumwipfel und traf mich noch nicht, denn ich stand im Schatten des Berges.
Es wird ein Tag wie viele andere; der müde Mittag kommt, der Hoffnung und Kraft ganz klein sieht und der Abend, der neue Wünsche weckt für den nächsten Morgen; der nächste, der bringt die Erfüllung!
Der Speerträger weckte mich aus meinen Träumen. „Weiter,“ sagte er halb fragend, halb ermunternd. Und als läge alle Schuld des Mißlingens bisher an uns, an mir und meinen Leuten, ermahnte ich sie noch einmal und sagte in ernstem Ton: „Schari, ich trage die Büchse selbst; du trägst nur das Doppelglas und gibst es mir, sobald ich stehen bleibe. Hamiß, du bleibst dicht bei mir mit der Kamera und — hab keine Angst!“
„Pangani, Muarico, Kinassa und Garehia, ihr haltet die Fährte, wenn wir eine finden. Ihr andern alle bleibt etwas zurück. Keinen Laut! und hinlegen, sobald Wild vor uns ist!“
Die Übersicht wurde weiter. Ich schickte einen Massai in die Ebene; der sollte langsam in derselben Richtung gehen, wie wir, Bäume besteigen und ausgucken, ob Löwen zum Walde gingen oder Nashörner vom Walde in die Ebene.
Bald waren wir unterhalb der Stelle, an der ein Bergbach versickert.
Muarico zupfte mich am Rock. „Nashorn,“ flüsterte er, „kommt vom Wasser, geht in die Ebene.“