Am nächsten Morgen führte der Akide, der inzwischen eingetroffen war, die Expedition durch weite, fruchtbare Flächen nach dem Hauptdorfe der Landschaft Mtanza. Das Dorf wurde, wie die meisten Ortschaften der Gegend, einfach nach dem Dorfschulzen benannt: „Kwa Jumbe Mgonza“. (Beim Jumben Gonsa) oder kurz: „Jumbe Mgonza“, womit der Ort gemeint ist, dessen Oberhaupt der Jumbe ist.
Von jetzt an war Mtanza mein Hauptquartier. Etwa hundert Meter vom Ufer des breiten Stromes entfernt, schlug ich unter einem großen Baume die Zelte auf, ohne zu wissen, daß ich mich auf vier Monate hätte einrichten können.
Der Platz entsprach den Anforderungen, die ich bei der augenblicklichen Lage stellen mußte. Rundum wohnte eine zahlreiche Bevölkerung, deren Unterstützung ich brauchte, um meine Expedition zu verpflegen und die Ansiedelung der Aufständigen zu fördern; die Bewohner von Mtanza waren Mitte August durch die nach dem Norden vordringenden Aufständigen mit in die Aufstandsbewegung hineingezogen worden und hatten bei Kipo, wie sie selbst eingestanden, die größten Verluste erlitten, da sie damals als Ortskundige an der Spitze der Aufständigen gingen. Nun trieben sie weiter die Politik, die ihnen als Grundbesitzern die beste schien: sich dem Stärkeren anzuschließen.
Auf einem Ritt durch die nahen Dörfer überzeugte ich mich mit Befriedigung, daß hier noch Hab und Gut zu schützen sei; große Vorräte von Getreide lagen in den Häusern. Ich war erstaunt über die Ausdehnung der Schamben und konnte an den zahlreichen, starken Strunken auf den abgeernteten Feldern sehen, wie reich die Ernte gewesen sein mußte.
Weiber und Kinder waren nicht in den Dörfern, und als ich gegen Abend zurückritt, waren auch die Männer verschwunden; endlos erschien mir die Reihe der einförmigen Lehmhütten, aus denen kein Laut kam und kein Feuerschein herausfiel.
Hinter den Häusern floß der Strom, in dem Flußpferde laut brüllten.
Am nächsten Morgen fuhr ich in aller Frühe auf das Nordufer, um zu sehen, wo die Flüchtlinge hausten. Ich fand einen kleinen, malerisch von hohem Wald umgebenen See. Im hellen Sonnenschein ruhten Flußpferde; Krokodile entfernten sich von den Ufern und zeigten dann ihre Köpfe in der Mitte der Wasserfläche. Die Verstecke der Eingeborenen lagen in dichtem Gebüsch, schwer zugänglich und durch Dornen geschützt. Viele Flüchtlinge kampierten auf einer Insel, die vom Wasser des Stromes umspült wurde. In der verflossenen Nacht war dorthin ein Krokodil gekommen und hatte ein kleines Kind geraubt. (Die Neger hatten aus Furcht vor den Aufständigen keine Lagerfeuer gebrannt.) In kleinen Gruppen saßen die Frauen um die Feuer herum. Alles Hausgerät stand dabei; jede Familie hatte Körbe mit Mehl, Matten, geflochtene Teller, Löffel und anderes Holzgerät, das im Negerhaushalt gebraucht wird. Mein Erscheinen im Lager der Flüchtlinge erregte etwas Verlegenheit, wie unverkennbar auf allen Gesichtern zu lesen war.
Der Ombascha Chuma nahm eine militärische Haltung an und sagte im Hinblick auf die Leute: „Sie haben bei Kipo gegen uns gekämpft.“
„Du meinst, deshalb fürchten sie uns?“
„Nein, vielleicht sind sie noch feindlich.“