Meine Boten brauchten nach Mohorro vier Tage und bekamen für den Weg 1,30 Mk. Ich sah einmal an dem Datum von Telegrammen, daß ein Bote fünf Tage gegangen war anstatt vier; er gebrauchte die Entschuldigung, er habe einmal stundenlang nach einem Boot rufen müssen, um über den Fluß zu setzen. Das durfte ich ihm glauben; denn ich hatte selbst schon Gelegenheit gehabt, beides zu bewundern: die Ausdauer eines Mannes, der übersetzen wollte und nach einem Boot rief und die Dickfelligkeit eines anderen, der am jenseitigen Ufer bei seinem Einbaum hocken blieb.
Die Boten bekamen allerlei Nebenaufträge der Askari, und ein oder der andere kleine Soldatenboy begleitete sie. Hierbei liefen klassische Beispiele von unpraktischem Sinn und Dickköpfigkeit unter.
Frauen der Askari beim Frisieren. Die ‚bibi‘ am weitesten links hat Ziernarben auf dem rechten Arm. Ganz rechts sitzt eine Msukuma mit kurz geschorenem Haar. In der Hütte hockt ein Askariboy am Kochfeuer. Man beachte die Stellung der Füße!
Askari Fataki schickte seiner Bibi ein Tuch mit vier Pishi Reis nach Mohorro; zugleich erhielt der Bote vom Askari Mursat Geld, um vier Pishi Reis in Mohorro zu kaufen und nach Mtanza zu bringen. Beide Aufträge mußten pünktlich ausgeführt werden; der Bote schleppte vier Pishi hinunter und brachte vier andere zurück. Vergeblich versuchte ich, dem Negerhirn einzureden, daß das Resultat dasselbe sei, wenn Fataki dem Mursat seine vier Pishi Reis verkaufe und seiner Gattin das Geld schicke; Fataki glaubt, sein Reis sei besser als der, den seine Bibi in Mohorro bekomme, und Mursat will durchaus Reis aus Mohorro kaufen. Um diesem Eigensinn nachzukommen, muß der Bote zehn Pfund acht Tage lang mit sich schleppen — (die gleichen Dinge geschehen übrigens in großem Maßstabe im Welthandel; dort sind es Prinzipienfragen, vielleicht auch hier)!
Abends nach Eintritt der Dunkelheit gab ich einmal einem Manne den Befehl, einen Brief nach Mohorro zu bringen. „Soll ich etwa allein gehen? es ist Nacht, da müssen zwei gehen!“ Müssen, denn einer allein fürchtet sich; gehen zwei, so fühlt sich jeder durch den anderen geschützt; keiner sperrt die Augen auf, und dann laufen sie einfach los.
Wenn ein Bote ankommt — er trägt den Brief meist in einem gespaltenen Stock eingeklemmt und hält ihn hoch, damit er nicht gegen Büsche streift oder sonst wo Schaden leidet — so folgen ihm wohl ein Dutzend Bengels.
Die Ankunft eines „Barua“ ist für die Schwarzen ein Ereignis; mit dummdreisten Mienen bleiben sie in geziemender Entfernung stehen und beobachten die Wirkung der Nachrichten auf den Leser. Auch versuchen sie, Lohn dafür zu erhalten, daß sie den Boten begleitet haben.
Übrigens war die Ankunft eines Briefes und die Ansammlung von Zuhörern stets eine gute Gelegenheit, Gerüchte unter das Volk zu bringen. Ich nutzte das gründlich aus; wenn die Aufständigen von den anderen Truppen so oft Prügel gekriegt hätten, wie ich es verkündete, wären sie wohl beinahe ausgerottet!
Die Mittel, mit denen Frieden gestiftet wurde, waren eben mannigfaltiger Art.