Der Askariboy; Hausbau.
Anforderungen besonderer Art werden an den Askariboy gestellt. Seine Haupttugend ist eine große Begeisterung für den Soldatenberuf, die ihren Grund hat in Abneigung gegen das stille Leben im Heimatdorf. Abenteuerlust und Anspruchslosigkeit und die allen Negern gemeinsame Abneigung gegen regelmäßige Arbeit zeichnet ihn aus. Er bekommt zu essen, was übrig bleibt, hat aber im Kriege manchmal Gelegenheit, recht viel auf die Seite zu bringen. Er bekommt gelegentlich ein Kleidungsstück geschenkt; doch wenn der Tag da ist, an dem er seinen Lohn fordert, wird ihm als Antwort: „Du hast mir einen Teller zerbrochen, hast jeden Tag viel zu viel gegessen und deine Arbeit war miserabel — ich kann dir keinen Lohn geben!“ Dann sitzt der kleine Kerl noch einen halben Tag in niedergeschlagener Stimmung im Lager und — sucht sich einen anderen Dienst.
Als mehrere Wochen verflossen waren, ohne daß kriegerische Unternehmungen stattfanden, schickte ich die letzten drei Matrosen, die ich bis dahin noch mit mir hatte, zur Küste, weil ich sie nicht unnütz dem Fieber und anderen Krankheiten aussetzen wollte. Die Leute hatten außerdem die Rückkehr an Bord sehr nötig; denn ihre Kleidung war stark mitgenommen. Gleichzeitig sandte ich Sergeant Kühn nach Mayenge, sodaß ich von jetzt an mit Sanitätsunteroffizier Lauer, dem Arzt meiner Expedition, alleine war.
Da die Rücksicht auf die Europäer fortfiel, konnte ich jetzt viel weitere Märsche machen als bisher. — Die Askari sind sehr anspruchslos und man braucht ihretwegen keine große Trägerkolonne mitzunehmen; sie versehen nach anstrengendem Marsche den Wachdienst, gehen Patrouille, beaufsichtigen die Träger, brauchen nur einmal am Tage zu essen (was sie essen ist leicht mitzunehmen) und schlafen zu ebener Erde, ohne Bett, Moskitonetz und Zeltdach. —
Unter den weitstehenden Ästen des großen Baumes, bei dem wir unser Lager aufgeschlagen hatten, ließ ich ein Haus bauen. Ich war überrascht, wie schnell ein Gebäude fertig wurde, das allen Ansprüchen genügte.
Jeder Neger ist Baumeister und an Übung fehlt es ihm nicht, da er oft gezwungen ist, neu zu bauen oder auszubessern, was Insekten, Hochwasser oder Feuer zerstören.
Mein Haus stand neben einem großen Baum. Rundum bauten sich die Askari und Träger Hütten.
(Die senkrechtstehenden Rohrstangen sind bis zu acht Meter lang.)
Eines Tages trommelte der Jumbe das Dorf zusammen. Männer und Knaben kamen und hörten den Befehl: „Ihr werdet jetzt dem Bana Kubwa[40] ein Haus bauen, damit er bei uns bleibt.“