Ein Platz wurde abgesteckt; dann fuhren die Neger mit Beilen auf das Nordufer und brachten aus dem Walde Pfähle und Balken und große Pfeiler, die sich am Ende gabelten und deshalb geeignet waren, das Dachgebälk zu tragen. Es wurden Löcher in die Erde gegraben, um die Pfähle hineinzustellen. — Bei dieser Arbeit lockert der Neger den Boden mit einem kleinen Stück Holz und hebt die Erde mit der Hand aus, so daß das Loch nicht größer wird, als es sein muß, um den Pfahl aufzunehmen. — Schon am zweiten Abend stand das Gerippe des Hauses fertig da. Jetzt wurde vom Flusse starkes Rohr geholt und die Dachsparren mit den beinahe armstarken, bis acht Meter langen Stengeln belegt, die die Stelle von Bambusrohr vertraten. Bei dem ganzen Bau wurde kein einziger Nagel oder Zapfen verwandt, sondern alle Verbindungen durch Bastbänder hergestellt, die aus den Blattrippen der Dumpalme geflochten waren. Die horizontal liegenden Balken ruhten in gegabelten Pfeilern. Über die Rohrstengel der Dachbedeckung wurden Blätter einer Fächerpalme gelegt und, ebenso einfach wie geschickt befestigt, indem die Stiele durch einen Einschnitt angekerbt und etwas aufgespalten wurden, so daß ein Haken entstand, der über den Rohrstengel hinüberfaßte. In der Mitte des Hauses blieb eine große Halle frei; auf der einen Seite waren meine Wohnräume, auf der anderen die des Unteroffiziers.
Die Wände bestanden aus Fachwerk von Rohrbekleidung mit dazwischen gestopfter, toniger Erde. Die Fensteröffnungen wurden durch Läden aus Rohrstengeln geschlossen; Türen brauchten wir nicht.
Rund um das Haus entstanden die Hütten der Askari, die Küche mit der Wohnung für die Boys, der Hühnerstall und ein Eselstall. Später ließ ich um das ganze Lager Wall und Graben ziehen und einen hohen Pallisadenzaun errichten, an dessen Eingang die Wache ein Schutzdach erhielt.
Am Strom.
Bei Sonnenaufgang war ich jeden Morgen am Fluß, um zu baden. Ein Schwimmbad durfte ich freilich nicht nehmen, weil die Krokodile zahlreich waren; ich mußte mich darauf beschränken, mir einige Eimer voll Wasser über den Kopf zu gießen, während ich am Ufer stand.
Die Morgenstunde am Strom war für mich stets ein großer Genuß. Es war jedesmal gleich schön, zu sehen, wie der breite Fluß unter die aufgehende Sonne floß. Über die glänzende Flut fuhren Einbäume mit Negern, die im Walde des Nordufers Holz holen oder Honig suchen wollten; aus den Hütten stieg blauer Rauch, der in den dürren Blättern der Palmdächer entlangkroch. Tauben flogen von ihren Nachtquartieren herüber in die Felder.
Askarifrauen kommen mit irdenen Töpfen vom Wasser in den Pallisadenzaun der Boma. Manche sind schlank und schön gewachsen; um so auffallender sind dann die langen Arme, die an Menschenaffen erinnern, und die großen, breitgetretenen Füße.
Als in den späteren Monaten die ersten Regenschauer gefallen waren und die Feuchtigkeit der Luft zunahm, lagen morgens oft weiße Nebelmassen über dem Strom. Oft auch schwirrte es über den Schilfinseln von unzähligen Schwalben.