Pünktlich um sechs Uhr wurden die Askari geweckt. Dann gingen die Frauen mit großen Töpfen zum Ufer und holten Wasser. Um acht Uhr begann der Dienst, das Exerzieren und die Arbeiten an der Befestigung. Diese Arbeit sollte eigentlich eine Strafe sein, aber die Neger wurden kaum beaufsichtigt und stellten sich dennoch pünktlich zur Arbeit ein, weil sie Essen dafür bekamen.
Zum Revierdienst, den Sanitätsunteroffizier Lauer gegen neun Uhr abhielt, kamen immer mehr Eingeborene und verlangten „dawa“, wobei sie auf den kranken Körperteil zeigten. Wunden waren bei ihnen gut zu behandeln und heilten schnell. Bei inneren Krankheiten aber konnten die Neger nicht verstehen, daß sie wiederkommen sollten; sie ließen sich einmal Arznei geben und glaubten dann gesund zu sein. Die Askari waren schon verständiger; sie kamen immer wieder, um Chinin zu nehmen, wenn sie Fieber hatten.
Schlimm waren die Wunden von Pfeilschüssen. So kam ein Mann, dem die Pfeilspitze mit abgebrochenem Schaft noch in einer häßlich aussehenden Öffnung zwischen den Rippen steckte; die Spitze mit den Widerhaken wurde herausgeschnitten, ohne daß der Neger ein Zeichen von Schmerz von sich gab.
Mit Giftpfeilen getroffene Menschen starben, wenn das Gift frisch war, in wenigen Stunden. Um die Wirkung des Pfeilgiftes zu erläutern wurde mir erzählt, ein alter Jäger sei bis dicht an einen Löwen hinangegangen und habe ihm einen Giftpfeil in die Seite geschossen; der Löwe, der vorher noch nicht verwundet war, sei nach mehreren Schritten tot umgefallen; das Gift hatte zufällig eine Ader getroffen, die nach dem Herzen führte.
Schlangen.
Die Eingeborenen mischten das Pfeilgift aus dem Saft von bestimmten Pflanzen und echtem Schlangengift.
Bißwunden von Schlangen habe ich nie gesehen.
Schlangen waren am Rufiyi nicht gerade häufig, wurden nur aber oft gebracht, weil ich die Negerjungens, die mir halfen, meine Sammlungen von Käfern und Insekten zu vervollständigen, anhielt, mir alles Ungeziefer zu bringen, was auf den Feldern getötet wurde. Ich habe im Laufe der Zeit eine Anzahl Schlangen beobachtet, möchte aber, wenn ich es erzähle, nicht den Eindruck erwecken, als ob die mir selbst unheimlichen Tiere dort eine alltägliche Erscheinung wären.
Unser Haus lag an einer Stelle, die besonders reich mit Schlangen gesegnet war. In den Zweigen des großen Baumes konnte man gelegentlich einem Streit zusehen, den kleine schwarzweiße Vögel mit einer silberweißen Schlange führten. Das Reptil ringelte sich träge durch die kleinen Äste der Zweige, während die Vögel unter lautem Gezwitscher um seinen Kopf herum flatterten und sich im Vertrauen auf ihre Gewandtheit dicht bei ihm hinsetzten, um auszuruhen. Am häufigsten waren: eine rotbraune Schlange und die grüne Baumschlange, die besonders, wenn sie auf den Blättern der Bananen liegt, schwer zu sehen ist.