Beim Pürschen traf ich einmal in hohem Grase eine der gefährlichen und giftigen Puffottern; sie lag zusammengeringelt auf einer freien Stelle und schlief. Ich schnitt mir einen Stock ab, schlug sie tot und streifte sie; denn die Haut der Puffotter ist bunt gemustert und läßt sich gut zu einem Gürtel verarbeiten.

Eine Riesenschlange schoß Unteroffizier Lauer mitten im Buschwald; mit einer anderen hatten wir eine geradezu unglaubliche Begegnung: Wir gingen in hohem Grase auf einem schmalen Pfad; ich voran, hinter mir Lauer. Da ich eifrig nach Wild aussah, achtete ich nur halb auf den Weg. Plötzlich rief mein Begleiter erschrocken: „Herr Oberleutnant!“ Ich drehte mich hastig um und sprang zur Seite, weil er das Gewehr im Anschlag ungefähr auf meine Füße gerichtet hatte. Ich sah, wie ein dicker Ast, über den ich eben hinweggestiegen war, sich bewegte: es war eine Riesenschlange, die quer über den Weg kroch, und von der nur der mittlere Teil des Körpers auf dem Wege zu sehen war, weil das Schwanzende noch auf der einen, der vordere Teil schon auf der anderen Seite des Weges im Schilf verborgen war. Als Lauer schoß, kam auch der Kopf der Schlange aus dem Grase zurück und fuhr mit geöffnetem Rachen dem Schützen entgegen, der schnell zurücksprang. Jetzt schoß ich und traf dicht unter den Kopf; die Schlange verschwand im Grase, und wir fanden sie nicht.[41]

Mein Begleiter machte mir nun vor, wie ich den linken Fuß gehoben und etwas weiter als gewöhnlich nach vorne gesetzt hatte, um über den vermeintlichen Baumstamm hinwegzusteigen.

Wir waren beide überzeugt, daß uns niemand diese Geschichte glauben würde.

Früher habe ich mich einmal über ein Bild in Gordon Cummings „Lion hunter of South Africa“ gefreut: Cumming und ‚Kleinboy‘ ziehen am Schwanz einer Schlange, die in einen Steinspalt zu verschwinden droht. Dies ist gar nicht so grob aufgeschnitten, wie man wohl glaubt (Cumming kann es sonst ganz gut!); ich selbst hatte ein Erlebnis, aus dem ich sah, daß seiner Darstellung sehr wohl wirkliche Eindrücke zugrunde gelegen haben mochten. Ich wurde eines Tages gerufen, als eine anderthalb Meter lange, graue Schlange über den Hof meiner Boma kroch. Die Neger hinderten die Schlange mit Stöcken daran, in einem Schlupfwinkel zu verschwinden; plötzlich aber glitt sie mit dem Kopf in ein kleines Mauseloch, das niemand beachtet hatte. Ich sprang schnell hinzu und faßte zum großen Entsetzen der Neger den Schwanz der Schlange mit beiden Händen. Gefahr war nicht dabei, auch wenn die Schlange giftig gewesen wäre; denn das Mauseloch war so eng, daß das schlanke Reptil gerade hineinpaßte, und rückwärts kann keine Schlange kriechen, weil sich dabei die Schuppen abspreizen und es verhindern. So zog ich auch diesmal ohne Erfolg, mußte loslassen, und die Schlange verschwand ganz in der Erde.

Ameisen; Sandflöhe.

Häufig sah man in Mtanza die Schlangen auch in dem Palmstroh der Dachbedeckung des Hauses kriechen und hörte sie nachts wenn sonst alles still war. Es war dann ratsam, nicht barfuß im Dunkeln umherzugehen; denn außer Schlangen soll man Skorpione oder bissige Ameisen immer fürchten, und Sandflöhe, die man beim Barfußgehen unfehlbar bekommt, sind auch lästig.

Der Biß der „Siafu“, der angriffslustigen Ameise, ist im Verhältnis zu der Größe und Unschädlichkeit des Insekts von überraschender Wirkung. Man kann sonst sehr ruhige Menschen tanzen sehen, wenn eine Ameise sie auf dem Rücken zwackt. (Menschen, die eine gewisse Zurückhaltung vor der Tür des Zahnarztes nicht leicht überwinden, sollten versuchen, ob sie lernen, sich von einer Ameise freiwillig und aus Wissensdrang kneifen zu lassen.)

Der Sandfloh bildet eine Plage hauptsächlich auf den Karawanenstraßen. Auch ich hatte manchmal Sandflöhe in den Zehen und zwar jedesmal, wenn ich bei einer Wasserjagd barfuß gegangen war, wobei mich die kleinen Tiere entweder im Boot oder an den von vielen Negern betretenen Landungsstellen befallen hatten. Zuerst macht sich der Sandfloh dadurch bemerkbar, daß er an der Stelle, wo er sitzt, ein nicht unangenehmes Jucken verursacht. Die Stelle, an der der Plagegeist in der Haut wohnt, rötet sich, und plötzlich kommt einem der Gedanke: es ist ein „funza“. Der Boy wird gerufen, und der entfernt das kaum sichtbare, kleine schwarze Pünktchen sorgfältig mit einer Nähnadel.