Der Sandfloh stammt aus Südamerika, ist von da vor mehreren Jahrzehnten nach Westafrika eingeschleppt worden und kommt erst seit Mitte der neunziger Jahre in Ostafrika vor. Das befruchtete Weibchen bohrt sich mit Vorliebe in die Haut unter den Fußnägeln ein. Nach einigen Tagen wird der Hinterleib so groß wie eine Erbse, und es gehört dann ein besonderes Geschick dazu, die Eier bei der Nadeloperation sämtlich herauszubekommen. Bei den Negern sieht man oft Verunstaltungen der Füße und Hände infolge von Entzündungen, die aus Sandflohstichen hervorgegangen sind.
Ich hatte auf solche Verletzungen ein Augenmerk und sah zufällig eines Tages einen merkwürdigen Fall von Vererbung. Bei einem Mann war die vierte Zehe des rechten Fußes verkrüppelt und hing ohne Kochenverbindung etwas zurückstehend auf der Haut des Fußes. Er sagte, dies sei von Jugend auf so gewesen, und stellte mir seinen Sohn vor, bei dem der vierte Finger der linken Hand, angeblich seit seiner Geburt, verkrüppelt und steif war; das vorderste Gelenk des Fingers schien zu fehlen.
Unsere Hauptnahrung in der Aufstandszeit war Reis. Das Mittagsessen bestand gewöhnlich aus gekochtem oder gebratenem Huhn, Reis und Mohogoknollen; zeitweilig aber war an Konserven kein Mangel und dann gab es eingemachtes Gemüse, Würstchen, Sardinen, Hering, Sprotten, Käse und Kompott. Auf die meisten Konserven verzichtet man aber gerne, wenn Hühner, Eier, Bananen und andere Früchte im Lande zu bekommen sind.
An die Mohogoknollen hatten wir uns sehr gewöhnt; sie ersetzten uns die Kartoffeln. Meist aßen wir sie zerrieben und in Fett gebraten. Die ersten Kartoffeln, die ich danach vorgesetzt bekam, schmeckten mir fade.
Von den Landesprodukten haben wir ferner mit Vorliebe gegessen: grünen Mais, Ananas, Mangos, die leider nur kurze zeitlang zu haben sind und die seltenen Tomaten. Mit Matamamehl habe ich mich nicht befreunden können. Die einheimischen Bohnen schmecken bitter.
Sehr ungern entbehrte man Brot aus Weizen- und Roggenmehl, Kaffee und Zucker, und wenn einer dieser Genüsse ausging, fühlten wir es sofort.
Auf das Brotbacken verstehen sich die schwarzen Köche gut. Es ist einfacher als man glaubt, und Backöfen sind dazu nicht nötig; ein eiserner Topf mit dem aufgegangenen Teig wird ringsum auf dem Deckel mit glühenden Holzkohlen bepackt, bis das Brot durchgebacken ist. Da konservierte Butter nicht gut schmeckt, ißt man mit Zwiebeln ausgebratenes Schweineschmalz oder Flußpferdfett dazu. Zu hellem Weizenbrot schmeckt auch Jam oder Fruchtgelee.
Teurung.
Sehr bald wurden die Eier in der Umgegend knapp, und wenn die Eingeborenen von weit her ein halbes Dutzend anbrachten, waren sie meist alle schlecht. Die Kornfrüchte stiegen im Preise und schließlich war überhaupt nichts mehr zu bekommen: es hieß einfach: „njaa“, „es ist Hungersnot.“
Da wurde ich auf den farbigen Händler aufmerksam, der im Dorfe einen kleinen Laden hatte, und Baumwolltücher, Glasperlen, Salz, Öl und Getreide an die Eingeborenen verkaufte. Ein großes Haus, das neben seinem Laden lag, war, als ich einige Monate vorher zum ersten Male nach Mtanza kam, bis unters Dach mit gefüllten Getreidesäcken vollgepfropft gewesen; jetzt war es leer. Der schlaue Inder hatte das Getreide zur Küste geschafft, und ließ, als die Hungersnot begann, Sack für Sack wieder heraufholen. Er verkaufte denselben Negern, die ihm fünf Monate vorher achtzehn Pishi Matamakorn für eine Rupie gegeben hatten, jetzt ein Pishi für denselben Preis.