Die hohen, alten Stämme standen ringsum in saftigem Grase; unter den fruchtbeladenen Ästen war das Gras niedergetreten und der Boden mit Kernen und ausgepreßten Schalen der Früchte bedeckt. Ein süßer Geruch erfüllte die Luft. Hoch oben in den Zweigen schüttelten noch immer einige Neger; Frauen und Kinder sammelten die niedergefallenen Früchte in Körbe. Auf dem schmalen Fußpfad, der sich durch das Wäldchen hindurchwand, kamen Dutzende von Negern mit gefüllten Bastsäcken. Kleine, nackte Kinder liefen hinterher; in jeder Hand eine Mango und mit abschreckend angeschwollenen Bäuchen, zu denen die dünnen Beinchen schlecht paßten.
Die Mangofrüchte waren schon so reif, daß sie von selbst herabfielen. Ununterbrochen raschelte es in den Blättern und dann schlug eine saftige Frucht auf das Sonnensegel des Zeltes oder gar auf meinem Tisch auf; das wurde so unleidlich, daß ich mich schließlich in das Zelt zurückzog.
Ob auch die Löwen jetzt Hungerszeit hatten?
In dieser Nacht wenigstens kam der wachhabende Askari, der mein Interesse an den Tieren kannte, an mein Zelt und flüsterte hinein: „Bwana, simba analia karibu“ (Herr, der Löwe brüllt in der Nähe). Und ich hörte noch mehrmals die tiefe Stimme des Gefürchteten.
Am nächsten Morgen sah ich, daß zwei starke Löwen dicht an meinem Zelt vorbeigegangen waren und fand, als ich den Fährten folgte, ganz in der Nähe die frischen Reste eines Riedbockes: den Kopf und einen Hinterlauf.
Bald hatte ich in meinem Lager eine große Sammlung selbsterbeuteter Antilopengehörne. In der Mittagszeit ließ ich sie oft hinauslegen, um die Schädel zu bleichen. Die Hörner wurden mit Petroleum abgerieben, um sie fest zu erhalten und vor Käfern zu schützen, die ihre Eier gern in den Raum zwischen Horn und Knochenzapfen ablegen (die Larven bohren dann große Löcher in die Hornmasse).
Der Mangoreichtum der Umgegend hielt leider nicht allzulange vor; nach mehreren Wochen waren die Bäume abgeerntet, und die hungrigen Menschen mußten sich nach anderen Nahrungsmitteln umsehen.
Die Bewohner ganzer Ortschaften vereinigten sich jetzt zu gemeinsamem Fischfang in entlegenen Tümpeln. Andere gruben eßbare Wurzeln im Wald oder sammelten die kümmerlichen Rispen wilder Steppengräser.
Ratten wurden in länglichen, aus Bast geflochtenen Röhren gefangen, gebraten und gegessen. Alte, stumpfsinnige Leute füllten sich den Magen mit Schlamm und Gras; ja, ich sah einen Neger, der lebende Ameisen mit der Hand vom Wege aufnahm und in den Mund steckte.