In der Ebene des Rufiyi.
Das starke Schilf zeugt von der Fruchtbarkeit des Bodens. Die Neger sind dabei, es umzuhauen, weil Baumwolle gesät werden soll.
Wenn ein Elefant geschossen ist, verbreitet sich die Kunde davon sehr schnell im Lande und der Andrang der Abnehmer des Fleisches ist so stark, daß sich Parteien bilden, die regelrechte Kämpfe um den Elefanten aufführen. In wenigen Stunden ist von dem etwa achtzig Zentner schweren Koloß nichts übrig, als die Knochen, und oft erinnert ein frisches Grab in der Nähe des Platzes an den Ausgang eines Kampfes, den rohe Menschen in ihrer Gier führten.[44]
Als die sogenannte kleine Regenzeit näher kam, begannen die Eingeborenen fleißig an ihren Feldern zu arbeiten; Busch, Sträucher und Schilfgras wurde ausgerodet, auf Haufen geworfen und angezündet.
So blieben die Äcker einige Wochen liegen, dann räumten die Frauen auf und bearbeiteten die Fläche mit einer breiten, kurzstieligen Hacke. Da alles auf dem Felde zu tun hatte, wurden die Häuser zugeschlossen. Selbst die kleinen Kinder mußten mit, und meist trugen die Frauen bei der Arbeit noch einen Säugling auf dem Rücken. Die größeren Kinder saßen am Rande des Ackers. Dabei soll es oft vorkommen, daß ein unbewachtes Kind vom Leoparden geraubt wird.
Die Landwirtschaft der meisten Neger ist nicht sehr intensiv. Das Land ist fruchtbar und dünn bevölkert, so daß der Neger nach Bedarf neue Flächen unter Kultur nehmen kann, wenn der alte Acker nicht mehr trägt. In der Ebene wird daher derselbe Acker drei oder viermal, in den Bergen höchstens zweimal nacheinander bebaut. Dies richtet sich nach der Güte des Bodens und der Getreideart, die gesät werden soll. Gedüngt wird nicht; außer einigen Ziegen und Schafen haben die Eingeborenen am Rufiyi auch kein Vieh.
Die Feldfrüchte.
Angebaut wird Reis, Mais, Matama und Mohogo. An tieferen Stellen wird vor allem Reis gesät, weil Reis die Nässe gut verträgt und sogar besonders gut gedeiht, wenn er zeitweilig ganz im Wasser steht. An höheren Stellen säen die Neger Mais und Matama. Bei der außergewöhnlich hohen Überschwemmung, die ich im Jahre 1905 miterlebte, verfaulte der Mais, kurz bevor er reifte, auf dem Felde. Dadurch wurde die Hungersnot noch empfindlicher; denn Hunderte von Menschen hatten mit hungrigem Magen auf diese Frucht gewartet.