Die Regierung förderte den Anbau von Baumwolle und Erdnüssen bei den Eingeborenen und glaubte hiermit einen Weg gefunden zu haben, ihnen zu gesunden Erträgen aus der Landwirtschaft zu verhelfen; denn das sind Produkte, die der Neger leicht konservieren könnte, und die ihm einen Gewinn sichern, weil sie vermutlich nicht durch den Laden des indischen Zwischenhändlers gehen, sondern unmittelbar an die Entkernungsanlagen und Kommunen verkauft werden. Aber wenn der Neger bei einer Mißernte an Kornfrüchten gezwungen ist, seine Nahrungsmittel vom Inder zu beziehen, dann ist er diesem doch wieder ausgeliefert.
Der Inder schädigt den Ackerbau.
Wie wichtig es ist, daß europäische Händler und Unternehmer sich an dem Aufkauf von Körnerfrüchten beteiligen, zeigt folgende, in Ostafrika ganz bekannte Tatsache: Bei einer großen Ernte kaufen die Inder das Getreide zu Spottpreisen von den Eingeborenen, die ja meist bei dem Händler in der Kreide stehen und deshalb an ihn verkaufen müssen. Dieses Getreide wird nun nicht etwa auf den Markt gebracht; der Inder verkauft es vielmehr wieder an die Eingeborenen, sorgt aber dafür, daß der Preis recht hoch wird, dadurch, daß er künstlich Mangel hervorruft. So sollen die indischen Kleinhändler sehr oft an der Hungersnot unmittelbar schuld sein, indem ihre Krämertaktik die Landwirtschaft der Eingeborenen unterbindet!
In den Pflanzzeiten verkauft der Inder sehr ungern Sämereien an Eingeborene; allenfalls kann der Neger schlecht keimfähige, verdorbene Ware bekommen und muß dafür einen hohen Preis zahlen. Der schlaue indische Händler kennt eben nur sein Geschäft und hat an dem Lande kein Interesse; wenn er nun großen Vorrat an Getreide hat, sucht er darauf hinzuwirken, daß der Neger wenig erntet, in Not kommt und bei ihm kauft. Alle Inder sollen sich hierin einig sein.[45]
Die Folge dieser Handlungsweise ist dann eine Steigerung der Löhne, die den europäischen Unternehmern, den Plantagen, den Kommunen und der Kolonialverwaltung zur Last fällt.
In dieser Darstellung scheint eine gehässige Übertreibung zuungunsten der Inder zu liegen; wer aber die Inder gesehen hat, weiß die Wahrheit darin zu finden.
Sie sind Handelsleute, wie sie im Buche stehen; bleiche Schmarotzer, für die es in Ostafrika kein Land, keine Scholle, keine Heimat gibt. (Die ackerbautreibende Kaste kommt nicht zu uns, da die britische Regierung ihr die Auswanderung verbietet. Das ist sehr schade.)
Selbst wo die Inder sich, wie in Sansibar, in den Grundbesitz der Araber hineingedrängt haben, glaubt man, wenn man sie sieht, den Eindruck der Bodenständigkeit zu vermissen.