(Die knechtische Abhängigkeit von dem Herrn, das blinde Vertrauen zu dem Ernährer, das die Selbständigkeit tötet, muß in allen Geschöpfen außerordentlich leicht zu entwickeln sein. Es ist auch im Sklaven wieder zu finden, ist unwürdig und darf doch nur vorsichtig angetastet werden, wo es einmal besteht, weil es Voraussetzung eines besonderen Lebens geworden ist.)
Wie der Schenzi lebt.
Ich war hier zum erstenmal in einem Orte, an dem die Neger alles zurückgelassen hatten, was sie in Frieden und Krieg gebrauchen.
Da standen die Hütten mit allem Hausgerät; die Hühnerställe, der Taubenschlag und die Vorratshäuschen mit Matamakorn. Hacken, Beile und Drillbohrer wurden aus den Hütten gebracht. So konnte ich mir denn ein Bild von dem Leben des Buschnegers machen.
Vom Händler kauft er nur Tücher, Salz, Waschblau, Seife und Nähnadeln. Alles andere macht er sich selbst, und hat deshalb auch immer etwas zu tun; er ist gar nicht so faul, wie wir ihn uns denken.
Die Feldarbeit ist seine Hauptbeschäftigung; er baut Matamakorn, Bergreis, Mais, Mohogo und Kürbisse. Er wohnt mitten in seinem Felde und beschäftigt sich immer etwas damit; ob er nun Unkraut aushackt, Schädlinge fernhält oder neues Land vorbereitet. Die Zeit der Ernte kann ihm nicht entgehen, denn er kennt jede Staude auf seinem Felde; er lebt mit den Pflanzen, wie der Viehzüchter mit seinem Vieh.
Zur täglichen Arbeit gehören Wasser- und Brennholzholen und Essenkochen; am Hausgerät und am Hause selbst ist immer etwas schadhaft. Da müssen neue Töpfe geformt werden, weil die alten zerbrechen; der große Holzmörser, in dem das Getreide zerstampft wird, die Holzteller, Löffel, Bettstellen, Hackenstiele fordern eine geduldige Schnitzarbeit, und der Neger streift tagelang im Wald umher, um passendes Holz zu finden. Da er nämlich vom Tischlerhandwerk nicht viel versteht, die Anwendung von Leim nicht kennt[50] und ungern mit Zapfen und Nute arbeitet, holt er sich am besten alles fertig aus dem Wald oder schnitzt es aus einem einzigen Stück. So entstehen denn die plumpen, törichten Stühle und Bänke, die großen Trommeln und Mörser und auch die riesigen Boote, mit dem „cheso“ (einem scharfen Beil mit quergestellter Schneide) ausgehöhlte Bäume; die Pfeiler, Türpfosten, Dachsparren aber liefert der Wald fertig in jeder Größe, und das Geschick des fleißigen Bautischlers besteht nur darin, den Pfosten so auszuwählen, daß die Gabelung an der rechten Stelle sitzt.
Gebaut wird immerzu, und wenn Haus, Taubenschlag und Vorratshäuschen fertig sind; wenn der Hof eingezäunt ist, kommen kleine Geisterhüttchen für die Toten an die Reihe.
Außer dem Hausgerät fertigt der Neger an: Pfeile, Bogen und Köcher; Fischreusen; Stellnetze zum Absperren der abfließenden Regenbäche und Flechtwerk zu allen möglichen Zwecken: Stricke, Matten, Körbe und Säcke aus Blattrippen kleiner Fächerpalmen; Wildnetze und Tauwerk aus gebleichten Baumfasern.
Alles dies ist nicht für die Dauer, und das Leben des Schenzi ist ein ununterbrochener Kampf mit Überschwemmung, Dürre, Wildschaden und Fäulnis; mit Ratten, Käfern und weißen Ameisen (die ihm über dem Kopf das Dach seiner Hütte zu feinstem Sägemehl zerkleinern, wenn er das ewige Feuer ausgehen läßt).