Das war ein neuer Ärger und wieder eine der traurigen Erfahrungen mit der Gleichgültigkeit und Roheit der Schwarzen, der nur vorgebeugt wird durch den Europäer.

Was hatten wir uns eigentlich, während wir so müde und krank waren, bei dem eintönigen Klagen und Wimmern des Gefangenen gedacht? Nichts! Für Verstellung hatte ich es gehalten, um so mehr, als die Askari noch dazu lachten! Aber jetzt kam es mir wieder in Erinnerung; ich legte ihm eine tiefere Bedeutung bei und machte mir Vorwürfe, nicht nachgesehen zu haben. Das zeigt, daß es ganz von uns abhängt, wieweit wir Mitleid empfinden wollen und daß unsere Teilnahme verschieden sein kann, je nachdem, wie wir die Leidensäußerungen, die wir hören, auffassen.

Im Wurm, in der Ameise, die zerdrückt wird und sich krümmt, glauben wir kein Bewußtsein suchen zu müssen. Bald im Büffel, der todwund röchelt, auch nicht.

Nur wenn der Mensch, der in unseren Tönen klagt, seine Schmerzen schildert, dann ergreift es uns — wenn wir wollen. Jeder kann mit leiden soviel er will; bis auf Pflanzen und Steine kann er hinabgehen.

Aber wissen muß er, ob nicht oft tatkräftiges Handeln mehr Elend aus der Welt schafft als verzehrendes Leid.

Ich selbst merkte an meiner Aufregung, daß die Anstrengung der letzten Zeit mich verändert hatte.

Am Nachmittage wurden noch mehrere Gefangene gebracht.

Die fragten, weshalb wir ihnen Essen gäben, wo sie doch geschlachtet werden sollten?

(Das hatten die Zauberer ihnen eingeredet.)