Glücklicherweise hatten wir das fließende Wasser wieder erreicht und konnten am nächsten Tage die Boote benutzen. Lauer mußte gestützt werden; er nahm immer noch kein Chinin.
Mit unglaublicher Schnelligkeit trieben wir an überschwemmten Dörfern vorbei: die Borassuspalmen von Mayenge tauchten aus Nebelschleiern auf.
Da lagen die Berge von Kitschi; noch eine Biegung des Stromes, an der die Eingeborenen Nothütten gebaut hatten, dann waren wir in Mayenge.
Hier war der kranke Unteroffizier Kuehn gerade von Feldwebel Münch abgelöst.
Auch diese Boma wurde geräumt und wir fuhren zwei Stunden weiter stromab zu einer hohen Landzunge, auf der ich einen Platz für das neue Bezirksamt am Rufiyi aussuchen wollte.
Die nächsten Nächte wären für uns Kranke schlimm gewesen, wenn nicht Feldwebel Münch mit bewundernswerter Geduld und Sicherheit unsere Pflege übernommen hätte. Er gab uns das Chinin zerstoßen in Oblaten. Ich wurde schnell besser, weil in mir das Gift den Kampf mit den Parasiten schon aufgenommen hatte; bei Lauer aber war das Fieber zu weit vorgeschritten, er war kaum imstande das Chinin hinunterzuschlucken.
Er litt sehr, phantasierte und sprach von Schwäche und Sterben; aber Münch ließ sich nicht beirren und sagte ganz ruhig: „Machen Sie doch keine Witze.“
Ich habe oft daran denken müssen, daß solcher Zuspruch besser ist, als hilfloses, sichtbares Mitleid!
Trotz seiner Erfahrung mit dem Fieber — Münch hatte monatelang an Schwarzwasserfieber gelitten — durften wir uns unserm Pfleger nicht ganz anvertrauen, wenn es möglich war, Mohorro in diesem Zustande zu erreichen.
Ich fühlte mich wieder frisch. Ein großes Boot wurde ausgerüstet und am Abend Lauers Bett hineingestellt. Ich lag dahinter im Lehnstuhl; die Askari und Neger folgten in neun anderen Booten.