Die lieblichen Einfahrten, mit hellgrün schimmernden Korallenbänken, die vielen, kleinen, mit dichtem Busch bestandenen Inseln; die weit ins Land greifenden Creeks, eintönig mit Mangroven geschmückt: das ist der Hintergrund für die Schiffahrt schwarzer Menschen in naturfarbenen, wenig gepflegten Holzkästen mit Baststricken und großen, kühn im Winde geschwellten Segeln über blauer Flut.
Die Fischerei wird noch immer selbständig von den Eingeborenen ausgeübt; in selbstgefertigten, schmalen Auslegerbooten; mit Angelschnur und Korbreuse in tiefem Wasser, mit Netzen und Rohrgeflecht in den flachen Buchten, die teilweise zur Ebbezeit trocken fallen.
An der Fischerei ist ebenso wie an der Schiffahrt alles althergebracht und der europäische Einfluß hat wenig daran geändert.
Der Fischreichtum ist groß; das beweisen die Märkte und die gefüllten Fischerboote, die man auf dem Heimweg zur Stadt antrifft.
Sansibar.
Da wir ein Interesse daran hatten, die deutschen Küstenplätze vor Sansibar zu bevorzugen, ging das Kriegsschiff nur selten nach der Sultansinsel, obschon sie dem Festlande so nahe liegt, daß man von Saadani aus den Mittagsschuß hören kann, der vor dem Palast des Sultans gefeuert wird.
Ich persönlich bedauerte, daß wir so selten in Sansibar waren; denn dort ist immer noch eine starke Kolonie deutscher Kaufleute, und die Insel bietet dem Besucher eine Fülle des Sehenswerten. Wohl an keinem Platz der Erde ist ein solches Völkergemisch vertreten, wie dort; wenn auch meist nur in wenigen Vertretern. Die Asiaten sind zur Stelle, vom Japaner bis zum Inder; Bewohner der Seychellen, der Komoren und Madagaskars, Araber, Belutschen und Neger fast aller Volksstämme könnte man nachweisen. Dementsprechend ist, was die Händler in ihren dunklen Läden anzubieten haben.
In Sansibar trifft man leider schon freche Neger; in den vom Fremdenverkehr berührten Hafenplätzen können die Schwarzen den bescheidenen Charakter offenbar auf die Dauer nicht behalten. Sehr bald wird man auch in Daressalam und in Tanga von der guten, alten Zeit sprechen, mit ihrer großen Auswahl an anständigen Boys, mit mäßigen Löhnen, die die Neger doch zufrieden machten.
Ich weiß nicht, ob der Deutsche fähiger ist als der Engländer, den Eingeborenen zu distanzieren, traue aber dem Deutschen ein sicheres Gefühl für seine Stellungnahme zu; denn dem Deutschen ist die Kolonie nicht nur ein Ort für Gelderwerb, sondern zweite Heimat, die er sich nicht verleiden lassen will; auch nicht durch Verderb der Eingeborenen, und durch Minderung des Rassenprestige. Daher kommt vielleicht auch die sichtbare Abneigung der Deutschen gegen die Missionen, die zum Teil ohne nationales Interesse auf den Neger einwirken, und ihren sehr verschiedenen Aufgaben entsprechend, selten eine gemeinsame Kulturarbeit mit dem Ansiedler betreiben; daher auch der gute Klang des Titels „alter Afrikaner“ und das Mißtrauen gegen jeden, im Verhalten zu den Schwarzen noch nicht gefestigten Neuling. —