Auch ein großer Passagierdampfer von Südafrika war eingelaufen.
Der Vollmond hob sich über die Türme und Dächer der Stadt und sein Licht trat in Wettstreit mit den elektrischen Bogenlampen des hellerleuchteten Sultanspalastes am Wasser. In der Flut glänzte der silberne Spiegel. Dunkel zeichnete sich davor die Silhouette eines italienischen Kriegsschiffes ab.
Die Mannschaft hatte längst Hängematten, da kam eine Dampfbarkasse an Steuerbord längsseit. Eine junge Dame führte das Wort: „Ich will den ersten Offizier sprechen“ rief sie dem Bootsmannsmaaten der Wache zu.
Der wachthabende Offizier rückte sich Schärpe und Mütze zurecht, ging auf das Fallrepp und übernahm die Verhandlung mit dem späten Gast persönlich. Sie wollte gerne das Kriegsschiff sehen; der wachthabende Offizier aber verweigerte ihr dies in höflicher Form, da die Schiffsetikette es verbiete, nach sechs Uhr Fremde an Bord zu lassen.
„Ach was, Schiffsetikette. Fahren Sie weiter,“ sagte sie schließlich zu dem Bootssteuerer und dann zu dem wachthabenden Offizier und den inzwischen versammelten Matrosen: „Ihr seid ja gar keine rechten Soldaten Kaiser Wilhelms!“
Der Insel Sansibar gegenüber liegt auf dem Festlande die alte Handelsstadt Bagamoyo, der Ausgangspunkt für die Karawanen nach Tabora und Udjiji; nördlich von Bagamoyo, an der Mündung des Wami der kleine Ort Saadani, wo Dr. Peters im Jahre 1884 gelandet ist, um Land zu erwerben.
Beides sind keine Hafenstädte und ihr Handel geht deshalb gegen den Handel Daressalams und Tangas langsam zurück. Bagamoyo war der Hauptausfuhrplatz für Elfenbein; gerade dieser Artikel wird immer seltener und macht allmählich der Baumwolle, dem Hanf und anderen landwirtschaftlichen Produkten Platz.
Saadani.
Bei Saadani hat das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee auf dem ausgedehnten Alluvialland der Wamiebene eine Art Baumwollbau- und Dampfpfluggenossenschaft gegründet, deren Teilnehmer schon 20000 ha in Pacht genommen haben; Dampfmaschinen für die Entkernung der Baumwolle wurden im Jahre 1905 aufgestellt.