Eine halbe Stunde vor dem Morgengrauen ging ich durch den Sigifluß. Das Wasser reichte mir bis unters Knie. Die Kraft der Strömung drängte beim Vorwärtsschreiten den Fuß zur Seite. Hohe Bäume standen auf beiden Ufern. Ein ununterbrochenes Rauschen ertönte von fern und nah, wo der Fluß über Steine lief.
Am jenseitigen steilen Ufer stieg ich in die Höhe und kam in gute Pirschgegend. Die Fährten großer Antilopen waren zahlreich. Das Landschaftsbild erinnerte an deutschen Buchenwald; es gab breite Lichtungen mit frischer Äsung, gute Deckung und weite Ausblicke.
Bis gegen zehn Uhr, also beinahe fünf Stunden war ich gepirscht ohne ein einziges Stück Wild zu sehen. Ich war durch den Fluß zurückgegangen, ruhte mich unter dem Schatten eines Baumes aus und ließ mir eine der mitgebrachten Kokosnüsse öffnen.
Der Anblick der Landschaft vor mir war ganz besonders schön. Hier hatte der Fluß sein Bett in die Felsen eingewaschen, die sich von beiden Seiten vorschieben und ihn zu zahlreichen Windungen zwingen. Aus dem saftigen Grün der Ebene dazwischen ragten einige hohe Borassuspalmen, die großen Fächerpalmen mit kahlem Stamm.
Buschbockjagd am Sigi.
Nachmittags gegen zwei Uhr nahm ich einige zwanzig Wadigo mit und ließ sie durch den Busch gehen, wo ich Wild vermutete. Ein Wasserbock und zwei Buschböcke brachen nach den Seiten aus, ohne daß ich mir über ihre Stärke und Geschlecht klar wurde.
Auch einen Leoparden wollten die Leute gesehen haben.
Nun ging ich mit den Negern zum Fluß.
Mein „Büchsenspanner“, ein alter Kerl ohne Vorderzähne, mit vorzüglichen Augen, schnupfte andauernd Tabak und zog dabei — wenn er sich ungestört glaubte — die tollsten Grimassen. Es schien, als habe er Nahrung nicht nötig, wenigstens sah ich ihn an den beiden Tagen, wenn andere aßen, jedesmal nur schnupfen. Unter Mittag saß er mit einigen anderen Alten unter dem Makutidach[5] einer Hütte und rieb braunes Mehl in einer Schüssel. „Chakula cha pua“ (Essen für die Nase) nannte er es schmunzelnd.
Es war bereits vier Uhr; ich stand auf einer Höhe über dem Flusse. Die Ufer hatten einen breiten Streifen hohes Schilf; dort gingen die Schwarzen mit Geschrei hindurch. Etwa achtzig Schritt unter mir bewegte sich plötzlich das Schilf. „Schieß! ein Buschbock mit großem Gehörn,“ sagte der Alte, der hinter mir stand. Ich sah, wo der Bock sich auf der Stelle drehte, schoß und glaubte ihm den Schuß auf den Stich zu geben. Er stürzte; die Gräser bewegten sich mehrere Sekunden lang ungefähr an derselben Stelle, ohne daß ich noch einmal schießen konnte. Die Schwarzen kamen schreiend näher; die Bewegung im Schilf wurde heftiger und zog sich zum Fluß hin. Dann war wieder alles ruhig. Plötzlich riefen die Treiber: „Der Bock ist in den Fluß gesprungen!“ Ich lief auf eine höher gelegene Stelle und blieb auf einer vorspringenden Felsplatte stehen. Da sah ich etwa hundertundvierzig Meter entfernt im Fluß und schon kurz vor dem jenseitige Ufer den Kopf des Bockes als kleinen Punkt, wie er durchs Wasser zog und nach beiden Seiten einen Wellenstrich hinter sich warf; und ich schoß schnell. Kein Aufschlag war ringsum im Wasser zu sehen; der Kopf tauchte unter.