Das Buch wird bezeichnet als: „Journal alles desjenigen, was sich auf währender neunjährigen Reise im Dienst der vereinigten geoctroyrten niederländischen Ost-Indianischen Compagnie täglich begeben und zugetragen, dabey die Situation und Gelegenheit der Länder und Sitten unterschiedlicher Völker zu besserer Nachricht in etwas berühret worden.“

Aus den getreuen Aufzeichnungen des Chirurgum und Barbirern Mercklein weht ein Hauch ursprünglichster Anschaulichkeit, und Freude an fremden Dingen. Deshalb ist es mir interessant gewesen hineinzusehen, und ich wurde unwillkürlich angeregt, meine Fahrt mit der des Holländers zweihundertfünfzig Jahre früher zu vergleichen.

Die Edle Herren Bewinthabere der Compagnie zu Amsterdam ließen im Jahre 1644 zwei Schiffe zurichten, um neue Besatzungen für die Schiffe und Faktoreien in Ostindien hinauszusenden.

Das war also ein Ablösungstransport genau wie der unsere, der am 5. Mai 1904 Bremerhaven verließ, um Mannschaften und Material für die im Osten stationierten Schiffe der Kaiserlich Deutschen Marine hinauszubringen; ohne Unterbrechung dampfte der ‚Main‘ die Weser abwärts durch den englischen Kanal und die Biskaya, an der Hispanischen Halbinsel vorbei, bog in die Meerenge von Gibraltar ein und erreichte am elften Tage der Abreise Port Said und die Pforte zum indischen Ozean.

Die arme Holländerflottille dagegen: Der Walfisch — groß 450 Last, jede zu 3000 Pfund, Kapitän Pieter Dierksoon, Oberkaufmann Herr Nikolaus Overschie, gewesener Direktor in Persia, — und der Salm, zwei neuerbaute Fluytschiffe. — Am 8. November verließen sie Amsterdam und konnten, „weil der Wind stetig aus Westen wehete, nicht in das Meer auslaufen bis auf den 30. Dezember“. An den Suezkanal dachte man damals noch nicht; die holländischen Segler mußten ihren Kurs unausgesetzt südlich nehmen, durch den Kalmengürtel der aufsteigenden Luftströme bis zum Kap der Stürme, das im Heimatlande des portugiesischen Entdeckers das Kap Bonae Spei genannt wurde, weil seine Entdeckung gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Hoffnung auf den Seeweg nach Ostindien in sich trug. Anfang März hielt sie ein starker Sturm dort fest, an der alten Pforte zum indischen Ozean und dem reichen Osten. Auf der Reede von Batavia wurde nach Verlauf von sieben Monaten am 31. May 1645 geankert, nach einer Seefahrt von 3600 Meilen. — Den gleichen Punkt etwa erreicht der deutsche Transportdampfer in dreißig Tagen; und gehört nicht zu den schnellsten Schiffen.

Sechs Monate später erst empfingen die Herren Bewinthabere in Amsterdam den Brief, der ihnen meldete, daß der ‚Walfisch‘ „in des Generals Residenzstadt Batavia arriviert sey ohne Verlust einiges Menschen durch Scharbuck oder morbus Scorbuticus, welches selten auf so langen Reisen geschieht“. Heute steht die Ankunft des Dampfers ‚Main‘ in irgend einem der großen Häfen des fernsten Ozeans noch an demselben Tage in der Weserzeitung. Und doch behielten die Herren in Amsterdam die Leitung in Händen; nur das Tempo der Unternehmungen ist eben schneller geworden.

Im Grunde erinnern alle Zustände und Ereignisse der Ostindianischen Compagnie an die heutigen Zustände in den Kolonien. Eine weitgehende Arbeitsteilung ist eingetreten; Handels- und Kriegsmarine sind getrennt; die Umgangsformen der Nationen feiner und empfindlicher geworden; die geräumigen Handelsdampfer tragen keine Kanonen mehr. Handel, Verwaltung und Waffengewalt liegen in verschiedenen Händen, während der Kaufmann des 17. Jahrhunderts alles dies in seiner Person vereinte, die Kapitäne der Schiffe, die Gouverneure, die Verwalter der Faktoreien ernannte und die Waffengewalt unmittelbar für sein Interesse einsetzte.

Im Niltal.

Am 17. Mai 1904 fuhr unser Dampfer zwischen den Molen von Port Said hindurch in den Suezkanal ein, an dem Denkmal Ferdinand von Lesseps vorbei, gab Leinen an Land und machte fest, um Kohlen zu nehmen. Die Agentur des Norddeutschen Lloyd hatte die gefüllten Prähme schon bereitliegen und das farbige Volk der Kohlenträger ging sofort unter viel Geschrei an die Arbeit; eine dicke Staubwolke hob sich in die Luft und verleidete dem Zuschauer den Aufenthalt an Bord. Wer abkömmlich war, verließ deshalb den Dampfer zu einem Abstecher nach Kairo, um erst in Suez das Schiff wieder zu besteigen. Auch ich gehörte zu den Reiselustigen, die in den staubbedeckten Waggons der Schmalspurbahn nach Ismailia Platz nahmen.