Die Sonne glühte, aber ein starker Luftzug trug sehr zum Wohlbefinden bei.
Zur Linken hatten wir den Suezkanal, zur Rechten die helle Wüstenlandschaft. Wo sich Menschen angesiedelt hatten, ragte wie eine Insel ein Fleckchen bebautes Land heraus; mit Dattelpalmen, Bananenbüschen und bunten Blütenbäumen. Erst der vom Nil hergeleitete Süßwasserkanal hat den Pflanzenwuchs hier ermöglicht. Ein Trupp Menschen mit bepackten Kameelen tauchte auf.
In all den kleinen Stationen stiegen Farbige ein und je näher wir von Ismailia dem wunderbaren Kairo kamen, desto vielseitiger wurde das Völkergemisch. Hier ein Araber in bronzefarbenem Gewande mit geradem Halsausschnitt und auffallend langen Ärmeln, deren weit hervortretendes, sauberes Futter auf den zierlichen Händen liegt; er trägt den Turban auf dem Kopf über dem feinen Gesicht. Neben ihm sitzt ein Türke, dessen große Nase und in Falten aufgehängter Mund sehr häßlich wirken. — Immer ausgedehnter werden die mit Kulturpflanzen bebauten Flächen. Wo das lebenspendende, kräftelösende Wasser hingeleitet ist, wächst dicht und üppig der Weizen hervor; unmittelbar daneben leuchtet der leblose Sand. Kameele und Ziegen begnügen sich mit spärlichem Grün, dann kommen Esel, starke Kühe und Pferde, wo sich die Pflanzen mehren. Es wechseln ab: Weizen, der gerade zur Ernte reif ist, Baumwolle und kniehoher, dichter, weißblühender Klee, als Viehfutter. Gepflügt wird noch mit dem alten Holzhaken, den wir schon auf den Malereien der alten Ägypter finden.
In den langen Furchen der sauber gehalten Baumwollfelder glänzt hier und dort Wasser, und Leute sind beschäftigt, das Naß den Pflanzen zuzuleiten. Ochsen mit verbundenen Augen ziehen die Göpelwerke der Schöpfräder und die Trommeln auf den offenen Tennen, wo der Weizen gedroschen wird. Das Korn wird mit der Sichel gemäht. Wo Kühe weiden, sitzen ebensoviel Menschen dabei und sehen zu.
Weithin verläuft das fruchtbare Land. In zarter Färbung von der Nachmittagssonne umflutet, erscheinen am Horizont zwei Pyramiden und der Höhenzug über Kairo, gekrönt von einem stolzen Bauwerk: der Moschee Mehemet Alis in der Zitadelle.
Durch die belebten Straßen der Stadt bringt uns ein Wagen auf die Höhe. Am Eingang der Zitadelle steht ein Posten der ‚Occupation armee‘ mit Bajonett, einen Tropenhelm mit silberner Spitze auf dem Kopfe. Um die hohen, schlanken Minarets kreisen Weihen. In der Moschee werden der von Teppichen bedeckte Boden, die Alabasterwände, die kunstvolle Kanzeltreppe und die an langen Ketten hängenden Lampen gezeigt.
Vier mächtige Pfeiler tragen die Kuppel mit ihren bunten Scheiben, die dem Innern des Raumes eine feierliche Beleuchtung geben.
Lästig war es, dem ewig schwatzenden Führer zu folgen; der wollte die Neugierde befriedigen und hetzte von einer Sehenswürdigkeit zur andern. Keines Eindrucks konnte man Herr werden; deshalb blieben wir einen Augenblick zurück, um in aller Ruhe das Bild in uns aufzunehmen. Dann standen wir an dem hohen Gitter, das das Plateau der Zitadelle abschließt.
Kairo.