Unter uns lag die große Stadt mit staubfarbenen Gebäuden, mit Türmen und Minarets.

Als breites Silberband schimmerte der Nil durch die Reihen der Häuser; einzelne Palmen zierten seine Ufer. In der Ferne begann die Wüste gerade dort, wo die Pyramiden von Gizeh mächtig emporragten. Weiter links am Nil hinauf waren die Pyramiden von Memphis im Dunst des Tals und im letzten Schein der feurig in die Sahara untertauchenden Sonne zu erkennen.

Als wir zur Stadt zurückfuhren, zündeten braune Gestalten die wenigen Laternen an; die Fußgänger auf den Straßen mehrten sich; vor den Trinkhallen saßen Männer auf den Trottoirs und rauchten Wasserpfeife.

Unter beständigen Zurufen an seine Pferde lenkte der Kutscher unsern Wagen zum Hotel.

Auf der Cheopspyramide

Der nächste Morgen war hell, wie fast das ganze Jahr hindurch in Kairo, als wir über die Nilbrücke nach Gizeh fuhren. Auf dem Wege kamen uns Kameele und Esel entgegen, die hoch und breit mit Grünfutter, Gemüsen, Körben mit Geflügel oder großen Milchgefäßen beladen zum Markte getrieben wurden. Die Sonne stieg höher über die Türme der Stadt und beleuchtete die üppige blütenreiche Pflanzenpracht des Gizeh-Garden. Vom Nil her wird das Wasser in den Garten gepumpt, weil es vom Himmel nicht zu erwarten ist; nun sprudelt es hier und dort aus dem Rasen hervor und überschwemmt die Beete.

Der breite von Akazien beschattete Weg biegt nach Westen auf die Pyramiden zu.

Wer es nicht gesehen hat, kann sich keinen Begriff machen von dem Eindruck der mächtigen von Menschen aufgetürmten Steinmassen aus der Nähe.

Man sagt, die Pyramide liege in dem Mittelpunkt der ganzen bewohnten Erde; der Meridian, der den Platz der Pyramide schneidet, decke mehr Land als irgend ein anderer und auch kein anderer Breitenparallel soviel wie der 30° N.

Wie weit solche Betrachtungen von Bedeutung sind, darf man dahin gestellt sein lassen. Wunderbar aber ist es, daß sich an der Cheopspyramide geometrische Proportionen nachweisen lassen, daß der Porphyrkoffer im Innern ein Einheitsmaß darstellt, daß die Richtung der Seiten bei allen Pyramiden den Himmelsrichtungen entsprechen; die Phantasie wird mächtig angeregt, wenn sie in dem Riesenbauwerk verborgene Rätsel sucht.