Man war überrascht, als s. Zt. im oberen Teil der Pyramide der leere Sarkophag gefunden wurde. In allen anderen Pyramiden befanden sich die Grabkammern unter der Grundfläche. Keine Inschrift, kein Ornament deutete an, daß je eine Mumie dort gebettet wurde und Herodot berichtet, daß Cheops nicht in der Pyramide begraben sei. Es schien, als habe der Baumeister mit seinem Verzicht auf jede Inschrift den späteren Zeiten sagen wollen, daß über den Sinn der Pyramide kein Zweifel bestehen könne.

Der Zugang zum Innern war vermauert und ist erst durch ebenfalls interessante Berechnungen und Überlegungen wieder gefunden worden.

Die Pyramide soll 2000 Jahre vor Christi Geburt erbaut sein; Cheops ließ die Tempel schließen, verbot die Opfer und machte es dem Volk zur Aufgabe, dafür an der Pyramide zu arbeiten. Das Bauwerk ist 227 m in jeder der Fronten und war früher 147 m hoch. Mehrere Millionen Tons Steine stecken darin. Die obersten Steine fehlen ebenso wie die glatte Bedeckung, die nur an der Spitze der Chephrenpyramide noch vorhanden ist.

Viel bedeutsamer als alle die oben ausgesprochenen Mutmaßungen erscheint die Lage des ungeheuren Monuments am Rande der Libyschen Wüste und des fruchtbaren Niltals. Als die Führer uns von Stein zu Stein hinaufbefördert hatten und ihre zudringliche Bettelei auf Minuten zum Stillstand gebracht war, konnte man von der quadratischen Plattform, die die Spitze der Pyramide bildet, den Rundblick in sich aufnehmen. Die Ostfront neigt sich nach den üppigen Feldern, die der Nil überflutet und der alten Chalifenstadt el Fostat, dem heutigen Kairo. Die Westseite blickt auf die Wüste, auf das unendliche hügelige Sandmeer, in dessen Fluten die Schatten der Wolken schwimmen. Da geht die Pilgerstraße durch das Natrontal an die Küste des Mittelmeers; kaum kann man von einer Straße sprechen. — — —

Ins Uferlose führen die Spuren.

Die Sphinx.

Auch diese lebensfeindliche Wüste haben der Handel und der Islam überwunden. Von hier aus ist die Lehre Mohameds nach Westen gegangen, bis sie in den Gebirgen Spaniens zurückgeworfen wurde. Die Menschen machte der Koran bedürfnislos und sie fanden in den Kameelen Lasttiere, durch deren Arbeit und Anspruchslosigkeit sogar die Ufer der Wüste verbunden werden konnten.

Menschen und immer wieder Menschen! Auch die den mächtigen Strom bändigten und ihren Feldern nutzbar machten, die die Steine zu fast unvergänglichen Bauwerken auftürmten.