Ein Volk, das Zeit zu solchen Bauten hatte, die nichts weniger sind, als Nutzbauten, mußte viel Brot besitzen!

Größeres kann die moderne Technik leisten. Welche Opfer an Leben aber mag es damals gekostet haben? Noch heute versucht die Natur ihr Veto einzulegen, wenn große Menschenmengen an einem Ort zur Arbeit zusammengebracht werden. Krankheiten und Seuchen brechen aus und nur die wohlorganisierte Arbeit der Ärzte ermöglicht große Unternehmungen. Wie mag es vor 4000 Jahren gewesen sein! Und wieviel Menschen mögen dem ungewohnten Klima, dem Fieber und anderen Krankheiten erlegen sein, die die Menschheit vielleicht jetzt schon überwunden hat!

Der Gedanke an solche Zustände erhöht die Bewunderung vor den großen Bauwerken der Alten; unter den heutigen Umständen würde sich eine Ausnützung von Menschen nach dem Muster der alten Machthaber von selbst verbieten. Sind es doch gerade die Leiden der Kulis und der Neger in Zentralafrika gewesen, durch die die Kulturwelt zur Teilnahme an kolonialen Unternehmungen begeistert wurde.

Die Ethik der Kulturvölker verbietet eine Ausnutzung der niedriger stehenden Rassen, wenn auch der Neger noch heute so roh und barbarisch ist, daß es ihm nicht zur Unehre gereichte, als Diener des Mächtigeren ausgenützt zu werden. Und welche Kulturarbeit könnte geleistet werden, wenn die ungeheure Überlegenheit, die wir mit unseren Feuerwaffen über die Neger besitzen, genutzt würde, um Bahnen und Wege zu bauen, um Plantagen anzulegen! Eine andere Zeit, hörte ich einmal sagen, hätte im Besitze einer Macht, wie wir sie haben, andere Werte in den Kolonien hervorgebracht, und vielleicht würden dann weniger Aufstände gekommen sein, die zur Vernichtung ganzer Stämme führten, würde schneller durch Erschließung des Landes der Hungersnot, der Schlafkrankheit und anderen verheerenden Übeln entgegengetreten sein.

Was Afrika anging, so war die Möglichkeit zu ähnlicher Herrschaft über Menschen noch immer vorhanden. In dem großen Kontinent, dem der Nil entströmt, hat es vor 4000 Jahren wahrscheinlich kaum anders ausgesehen als vor hundert Jahren. Sklaven holte sich Cheops von dort ebenso wie vor einem Menschenalter noch die Araber, und die Kunde von dem Mondland Uniamuezi, aus dem der Nil entspringen sollte, ist jedenfalls diesen ersten Interessen an dem volkreichen Süden zu danken.

Soll man einmal fragen, was wohl aus dem Neger geworden wäre, wenn Europa noch mit den Anschauungen des Mittelalters an die Erschließung Afrikas hätte gehen können? Es ist wie ein Zufall in der Weltgeschichte, daß das große, reiche Land solange unbekannt blieb und daß den vernichtenden Sklavenjägern gleich Rächer erstehen konnten. Jetzt stellen sich die kolonisierenden Völker die große Aufgabe, die Kräfte der neuen Länder in einer unserer Ethik entsprechenden Weise zu entwickeln und nutzbar zu machen.

Von den Pyramiden ging es auf dem Rücken eines Kameels zur Sphinx und dann zu einem dritten merkwürdigen Bauwerk, dem Tempel der Sphinx. In der Erde vergraben erweckt dieses Gebäude den Anschein, niemals für Außenfassaden, sondern wie der Bau eines Fuchses in die Erde hinein gebaut zu sein. Es ist von Wüstensand erst wieder freigelegt. Glatte, sauber gehauene und polierte Granitquadern bis zu 5½ m lang sind hier mit größter Genauigkeit neben- und übereinander gefügt. Aufrecht stehende Steine bilden Säulen, auf denen andere als Dach ruhen. Stellenweise ist Alabaster benutzt und auf jedes Ornament verzichtet worden: Hier spricht allein das Material durch seine Zusammenfügung, Wucht und Größe. —

Kairo.

Als ich am Nachmittag mit einigen Kameraden durch die Straßen ging, begegnete uns im Nordviertel der Stadt ein Leichenzug der Fellachen. Voran ging ein Karree alter Männer; ihnen folgten jüngere Männer mit Gesangsheften in arabischer Schrift, dann kamen Kinder mit Blumen, vor dem Sarg, der getragen wurde und mit bunten Tüchern und Blumen geschmückt war. Unter, neben und hinter dem Sarg gingen klagende Frauen, darunter eine, die von Zeit zu Zeit die Arme hob, wobei sie ein Tuch spannte und den Kopf zurückwarf. Ihr Gesicht war mit schwarzblauer Farbe beschmiert. Der Zug bewegte sich unter dem Klange eintöniger Lieder langsam vorwärts.