Das Haus einer italienischen Handelsgesellschaft schaute freundlich, aber verlassen herüber. Wie so oft, waren auch hier grobe Fehler, nicht die gegebenen Bedingungen an dem Mißlingen des Unternehmens schuld. Die Gesellschaft hatte Geld an Araber und freie Suahelineger verborgt, die keine Palmen besaßen und war dadurch in Schulden geraten. Nun hatte die Gesellschaft das gesegnete Land verlassen; die Schuldner taten Strafarbeit an der Kette.

Straße auf Tschole (Mafia).

Links ein Araberhaus. Rechts Negerhütten. Kasuarinen und Kokospalmen.

Als wir vom Mittagessen aufstanden, wartete ein Araber im Vorraum. Wir wurden gebeten, einer Begräbnisfeier beizuwohnen. Der reichste Mann der Insel war in der letzten Nacht an Herzschwäche gestorben. Sein Vermögen wurde auf 800000 Mk. geschätzt, wovon eine hohe Erbschaftssteuer der Regierung zugute kommen sollte.

Wir gingen durch die breiten, sauberen Straßen, die von zwei Reihen dicht belaubter Akazien beschattet wurden. Die Häuser sind aus Korallenstein gebaut und mit Palmblättern gedeckt. Baumann, in seinem liebevoll dem Neger angepaßten Geschmack, hatte diese geraden Straßen verspottet; wir müssen in dieser Anlage einen Fortschritt sehen, denn mit den dicht belaubten Bäumen wird ebensogut Kühle und Schatten in den Straßen erreicht, als durch die kreuz und quer durcheinander gebauten Hütten oder die engen Straßen, wie sie Sansibar hat.

Neger und Araber in großer Menge standen vor dem Hause, in dessen dunklen Eingang wir genötigt wurden. Als ich von der hellen Straße in das Dunkel des Hauses trat, stolperte ich über ein Hindernis, und merkte mit Schrecken, daß es die Leiche war, die man nahe an der Tür aufgebahrt hatte!

Aus dem Innern des Hauses erscholl ein eintöniges Klagen vieler Weiberstimmen, das sich steigerte, als die Bahre fortgetragen wurde; die Leiche war mit kostbaren Tüchern überdeckt. Von beiden Seiten drängten sich die Freunde des Verstorbenen hinan, um jeder einmal mitgetragen zu haben. Die Weiber kamen in die Gärten und setzten dort ihr Geschrei fort; den gleichgültigen Gesichtern glaubte man anzusehen, daß hinter der Heulerei keine wirkliche Trauer steckte.

Nach arabischer Sitte gehören Frauen nicht in die Moschee, auch nicht auf den Kirchhof.

Araberbegräbnis.