Der Kirchhof war ein Platz an der Straße; einige verfallene Grabmale standen darauf. Zwischen den Gräbern hatte ein mehr materiell als fromm denkender Mann schon wieder mit Erfolg Mohogo gepflanzt. Dicht bei der Moschee war ein etwa drei Meter tiefer Schacht gegraben, an dessen Sohle nach der Seite hin ein Raum ausgehöhlt war, in dem die Leiche gerade hineinpaßte, und der durch ein Brett verschlossen werden konnte.
An dem Grabe hielt die Menge. Ein des Korans Kundiger las aus einem alten Buche vor, und die Umstehenden leierten mit stumpfsnnigen Mienen den Refrain. — Drei Männer sprangen in das Grab, ein Tuch wurde darüber gezogen und unter dem Tuch langsam der Körper des Toten in die Höhlung hineingeschafft. Keiner darf ihn sehen. Dann langte eine Hand mehrmals unter dem Tuche hervor und verlangte nach Erde, wahrscheinlich um das Brett abzustützen.
Presuhn.
Festungsruinen in Kilwa (Deutsch-Ostafrika).
Portugiesen und Araber haben jahrhundertelang um die Küstenplätze Ostafrikas gekämpft. Reste alter Kirchen und Festungen stehen in Mombasa, Kilwa und Mocambique. Das alte Kilwa hatte in seiner Blütezeit über hundert Moscheen; jetzt wohnen nur einige Neger auf der Insel im Beaverhafen, der als Anfangspunkt der Bahn nach Wiedhafen in Aussicht genommen wurde.
Als ich am Abend zurückfuhr, baten mich zwei Araber, mitfahren zu dürfen. Sie kamen vom Begräbnis und sagten mir, daß der Tote mit dem Gesicht nach Mekka in das Grab gelegt würde und der eine fügte hinzu: „Viele Tote liegen schon in allen Ländern um Mekka herum; jeder hat seine Hoffnung!“
Ich mußte denselben Weg zurückreiten, den ich am Vormittag gekommen war; die Dunkelheit brach herein; die Reiher ruhten schon auf den Zweigen der Sumpfbäume. An einem kleinen See, der vom letzten Abendlicht beleuchtet wurde, stieg ich eine Weile ab.
Es war ganz still und auch der Seewind war eingeschlafen.