Zum Glück war man diesmal den Schwarzen zuvorgekommen; noch hatten sich die Polizeiaskari in gewohnter Weise im Lande bewegen und die gefährlichen Elemente festnehmen können. Kein Widerstand regte sich dabei. Aber bald darauf zeigten die Neger in den Matumbibergen ihren Unwillen über den vom Bezirksamt befohlenen Anbau von Baumwolle, der ihnen lästig war und dessen Nutzen sie noch nicht einsahen; da begannen die Ausschreitungen.
Haltung der Araber.
Von Bedeutung war dabei die Haltung der Araber. Im Mohorrobezirk wohnte eine ganze Anzahl. Sie besaßen gute Pflanzungen in der Umgegend oder betrieben kleine Zuckermühlen, hatten als Arbeiter Sklaven, die bei ihnen wohnten und verpflegt wurden, bezahlten außerdem aber schon Lohnarbeiter. Ihre wirtschaftliche Lage war recht gut, und sie waren nicht in dem Maße den Indern verschuldet, wie ihre Brüder in den reichen Zuckergebieten am Pangani, weil das Bezirksamt hier auf den Wucher der Inder ein Augenmerk hatte.
Einige von ihnen waren als Unterbeamte, als Akiden angestellt und hatten als solche Steuern einzutreiben, die Befehle des Bezirksamts bekannt zu geben und etwas Strafgewalt auszuüben. Diese fühlten sich durch ihre Vertrauensstellung eng mit der deutschen Herrschaft verbunden und sahen, daß unter ihr zu leben war.
Vielleicht gerade wegen dieser Vertrauensstellung hatte sich das Zerstörungswerk der Aufständischen in den Matumbibergen auch auf den Besitz der Araber erstreckt; jedenfalls konnten es als gutes Zeichen für die Stellung der Araber ansehen, daß der Haß der Neger sich auch gegen diese richtete.
Der Bezirksamtmann verließ sich deshalb weiter auf seine farbigen Akiden, die ununterbrochen Boten mit Nachrichten aus dem Lande schickten und die Lage viel ernster darstellten, als sie anfangs beurteilt worden war.
Ich wohnte in dem geräumigen Hause des Bezirksamtmanns und bemühte mich, aus den Schilderungen der Boten ein Bild von dem Wesen der Aufstandsbewegung zu bekommen. Es war immer das gleiche: „Schickt schnell Askari, die Schenzi[7] kommen; sie werden unsere Hütten abbrennen, das Getreide wegnehmen und uns töten, wenn wir nicht mitmachen oder fliehen.“ Bald danach kam ein anderer Bote mit der Hiobspost: „Unsere Hütten sind verbrannt, Menschen erschossen; die Schenzis ziehen weiter, viele schließen sich ihnen an.“
Immer näher bei Mohorro mordeten und brannten die Aufständigen, ohne daß ihnen entgegengetreten wurde. Ihre Zahl vergrößerte sich von Tag zu Tag. Noch waren die Stämme auf der Nordseite des Flusses ruhig; bald konnte die Bewegung auch dorthin übergreifen, dann war Mohorro isoliert. Wiederholte Bitten des Bezirksamtmanns an die Schutztruppe, gegen den Rufiyi vorzugehen, blieben erfolglos, weil die Schutztruppe selbst ernsten Widerstand gefunden hatte.
In dem Ort Mohorro herrschte deshalb eine sehr gedrückte Stimmung. Sorge um Sicherheit für Leben und Gut verbreitete sich. Man merkte es den Eingeborenen an, daß sie nicht verstanden, weshalb die Europäertruppe untätig blieb; nur zu leicht konnte das als Schwäche und Feigheit ausgelegt werden.
Das Vertrauen auf die Macht und den Schutz durch die Soldaten durfte nicht schwinden, wenn Ruhe im Lande geschaffen und erhalten werden sollte. Aber ich durfte ohne besonderen Grund nicht wagen, dem Feinde entgegenzugehen und mußte abwarten bis eine äußere Veranlassung mich dazu zwang, denn mein Befehl sagte nur, ich sollte Mohorro verteidigen.