Die Untätigkeit steigerte das Gefühl der Unsicherheit; denn wir wußten vom Feinde fast nichts, und der Angriff auf Mohorro wurde täglich erwartet. Bald wurden von Süden, bald von den Kitschibergen her, Schenzis im Anmarsch gemeldet. Die Telegraphenleitungen waren meistens unterbrochen; der mit der Reparatur beschäftigte Beamte und sein kleines Bedeckungskommando wurden oft hart von Angreifern bedrängt. Auch nachts war scharfe Aufmerksamkeit nötig; denn Niemand konnte sagen, ob das Volk nicht auch in der Dunkelheit angreife.
Der erste Angriff.
Am dritten Tage nach meiner Ankunft häuften sich die bösen Nachrichten aus dem Süden. Flüchtlinge meldeten, daß die Aufständigen anderthalb Stunden von Mohorro entfernt, brannten, plünderten und schössen. Ein Knäuel von Menschen erschien vor dem Bezirksamt; erregte Eingeborene, Araber, Weiber und Kinder schlossen sich den Boten an. Die Aufregung der Leute angesichts der nahen Gefahr gab zu denken. Wenn es so weiter ging, und einer nach dem andern von uns abfiel, konnte man durch Eingeborene aus der nächsten Umgebung überrumpelt werden. Bei den fortwährenden Übergriffen der Aufständigen, die alle nicht zu ihnen übertretenden Leute ausplünderten und töteten, standen die Schwarzen an der Peripherie des Aufstandsgebietes alle vor dem Entschluß, sich dem Aufstand anzuschließen, um ihr Eigentum und die gerade hereingebrachte Ernte zu retten, wenn sie nicht Vertrauen auf den Schutz der Europäer bekommen konnten.
Der Entschluß zu marschieren wurde mir sehr schwer, weil mein Befehl ausdrücklich vorschrieb, mich auf die Verteidigung zu beschränken. Jedoch der Telegraph war unterbrochen, Befehle konnte ich mir also nicht einholen, und schnelles Handeln tat not.
Mit elf Matrosen und dreißig Askari der Polizeitruppe verließ ich Mohorro. Es blieben genug Soldaten zurück, um das Bezirksamt im Notfall zu schützen. Außerdem war das Maschinengewehr stets gefechtsbereit. — Schon nach einstündigem Marsch traf ich auf frisch zerstörte Ortschaften; rauchende Trümmer und ganze Haufen glimmender Vorräte, die der Wind in rote Glut setzte. Das waren Anzeichen für die Nähe der Plünderer. Auf einem schmalen Fußpfad ging es vorwärts; durch kniehohes Gras und niedrigen Busch; durch Felder mit Mohogo, abgeerntetem Mais und Negerhirse. Bald trafen wir Aufständige.
Ich hatte unter einer Gruppe von Mangobäumen Rast gemacht und eine Patrouille vorausgeschickt, die plötzlich hielt und Meldung zurücksandte, etwa dreißig Schwarze mit Gewehren plünderten ein vor uns liegendes Dorf und seien im Abziehen. So schnell wir auch folgten, erreichten wir die Leute doch nicht und kamen an eine Wasserstelle, aus der offenbar eben getrunken worden war.
Wir gingen weiter, in hohen Wald hinein.
Kurz darauf knallte es vor uns; blaue Rauchwölkchen stiegen auf; die ersten Kugeln pfiffen an uns vorbei: die Vorposten der Aufständigen hatten uns gesehen.
Zu beiden Seiten des Weges marschierten die Matrosen auf und feuerten eine Salve in das vor uns liegende Dickicht; dann lief die ganze Linie vor, und die Neger flohen zwischen den Büschen.
Darauf machte ich an der Wasserstelle Mittagsrast und ließ über dem Winde das hohe, trockene Gras anzünden, um freie Übersicht in dem Walde zu bekommen.