Ein Askariposten stand auf dem Wege, der weiter in den Wald hinein führte. Hin und wieder fielen noch Schüsse; die Schenzis suchten die Askari an ihrem Auftrage zu hindern. Wir ruhten unter den schattigen Vordächern der Hütten und warteten auf die Rückkehr der ausgesandten Patrouillen.

Plötzlich winkte der Posten. Sergeant Kühn sprang auf und lief zu ihm hin; dann fiel ein Schuß. — Alle griffen zu den Gewehren. — Rundum im Busch fielen Schüsse.

Die Aufständigen waren offenbar in großer Zahl zurückgekehrt, um uns zu überfallen! Über die ersten Toten ging es hinweg, in den Wald hinein; Matrosen und Askari stürmten in langer Linie vor. — Noch rauchte der Wald vom Brand; hinein mischten sich die Rauchwölkchen der Gewehre, unsere Kleider wurden von der Asche geschwärzt. — Zwischen den Büschen bewegten sich dunkle Leiber mit blauen Tüchern um die Hüften, liefen und hielten Gewehre, Speere und Äxte in den Händen. Waffen lagen im Wege und Blutspuren zeigten, daß Verwundete mit den Aufständigen flohen.

Ein Überfall abgeschlagen.

Für die Schenzis gab es kein Standhalten mehr. Wir ließen ihnen nicht Zeit, die Gewehre zum zweiten Male zu laden und folgten bis an das hohe, noch nicht niedergebrannte Gras. Dort ließ ich halten, weil der Zusammenhang der Truppe in dem unübersichtlichen Gelände verloren ging, und wir kein freies Schußfeld mehr hatten.

Alle waren vom Laufen erhitzt und fast außer Atem. Dennoch wären meine Matrosen am liebsten gleich weiter gegangen, um das Lager der Schenzis zu suchen. Aber wir mußten an den Rückmarsch denken; es war schon spät.

Das war nun der erste Zusammenstoß mit dem Feinde gewesen. Blut war geflossen. Die ersten Toten, von unseren Gewehren erschossen, lagen da. Wunderbar berührte es mich; wer gab uns das Recht, auf Menschen zu schießen? — Weshalb fielen gerade die und andere entkamen? —

Als wir, müde und durstig den weiten und sonnigen Weg nach Mohorro zurückmarschierten, gingen mir die einzelnen Bilder des erlebten Gefechtes noch einmal durch den Kopf. — Menschen jagen — und von Menschen, wie ein Stück Wild gesucht und gejagt werden: Welch tiefen Eindruck machte diese Art der Jagd auf mich! — Dann noch eins: die Toten! Und es fehlte zum Glück noch das Ergreifendste. Verluste auf der eigenen Seite. — In der Erinnerung spiegelte sich jetzt alles deutlich: wie mich die Sorge um den Zusammenhang der Truppe beherrschte, welche Einfälle mir kamen; ich sah die schwarzen Teufel, die hinter den Büschen auf mich anlegten —, Rauch und Knall. Das galt mir! — Das Korn meiner Büchse spielt auf dem Körper eines Menschen, der Schuß fällt — er stürzt: Ganz ungekannte Eindrücke! Vorwärts! — Blaue Wölkchen blähen sich plötzlich aus dem Geäst, dann laufen nackte Gestalten mit großem, altmodischem Gewehr und Pulverhorn. Bald bleiben rechts, bald links von mir Schützen stehen, heben die Gewehre und schießen — zwischen den Büschen brennt das trockene Gras. Dursterregende rauchige Luft atme ich ein. —

Als wir spät abends Mohorro wieder erreichten, war ich froh, das Bezirksamt noch auf dem alten Fleck zu sehen. Wie leicht hätten Aufständige hinter meinem Rücken angreifen können, und es wäre mir dann schwerlich verziehen worden, wenn ein Unglück geschehen wäre. Aber allein das Maschinengewehr, das mitten auf der Straße stand, wirkte Wunder an Respekt bei den Eingeborenen.

Keudel hatte ein auserlesenes Abendbrot zurecht machen lassen, und wir feierten die Feuertaufe bei einer Flasche Sekt, die ich vom „Bussard“ mitgebracht hatte.