Askaripatrouillen gingen von Hütte zu Hütte, während wir auf der Höhe warteten und beobachteten. Schenzis schossen aus dem Schilf, die Askari liefen, schossen wieder und kehrten zurück mit der Meldung, die Verfolgten seien in den Strom gesprungen und entkommen. Als der Wald endete, bot sich mir ein unvergeßlicher Anblick: Da lag eine breite Straße, von Ruinen gesäumt. Die vom Feuer geschwärzten Wände mit hohlen Fensteröffnungen bildeten eine lange Reihe. Mitten auf der Straße stand ein einzelner großer Baum.
Selbst die Neger waren einen Augenblick in Anschauen versunken. Der Eindruck des langen Trümmerfeldes war zu groß; ein ungewöhnlich reich bevölkerter Ort war hier verlassen und zerstört.
Wo waren die Menschen, die hier noch vor acht Tagen auf der breiten Straße gingen, in der großen Gerichtshalle saßen, an den Inderläden Einkäufe machten und die Felder in der Ebene bestellten?
Der Akide wußte Antwort; „wamehama“ hieß das Wort, das ich noch oft hören sollte: „sie haben das Weite gesucht.“ „Teils sind sie zu den Aufständigen übergegangen, teils auf das Nordufer geflohen und warten auf deinen Schutz. Bau du eine Boma hier, dann kommen sie wieder und bauen die Hütten auf, die ihnen die Schenzi niederbrannten.“
Ganz gut; es leuchtete mir ein; aber bei der Aussicht, täglich zur Küste zurückgerufen werden zu können, stand ein solcher Plan außer Erwägung.
Ich schrieb einen Brief an das Bezirksamt und wies auf die Bedeutung eines Militärpostens am Rufiyi hin, ohne zu ahnen, daß mir selbst in den nächsten Monaten die Aufgabe, die Rufiyilinie zu sichern, zugeteilt werden würde, und daß ich von dem, was der erste Eindruck dieser verwüsteten Gebiete mich lehrte, später noch reichlich Gebrauch machen konnte.
Die Straße machte bald eine Biegung und führte weiter in der Richtung auf die Kitschiberge. Das ganze Dorf war auf einem vorgeschobenen Ausläufer der Berge erbaut. Unmittelbar neben den Häusern fiel das Land zu der Ebene ab, die vom Hochwasser alljährlich überschwemmt wird. Noch jetzt stand Altwasser von der letzten Regenzeit in einer von Schilf umgebenen Talmulde und diente offenbar den Dorfbewohnern als Schöpfstelle; denn Brunnen gibt es im ganzen Lande nicht. An der Wegbiegung stand auch das Haus des Akiden und die Schaurihalle. Jetzt war alles nur noch ein Trümmerhaufen.
Welch ein Leben muß hier in friedlichen Zeiten herrschen! Aus den Bergen bringen die Neger Gummi, Bergreis und Kafferkorn, um es bei den Indern zu verkaufen und gegen Tücher, Glasperlen, Tabak, Nadeln und Messer einzutauschen. Die Warufiyi, die Leute am Strom, ernten ihre großen üppigen Reis- und Maisfelder ab, hauen Einbäume im Walde und verschicken das Getreide nach der Küste, wo der Inder des Dorfes seinen Gläubiger wohnen hat.
In den Händen des Inders sind sie alle, denn der ist ein sehr geschickter Geschäftsmann und versteht es, auf die Neigungen der Eingeborenen einzugehen.
In der Ebene standen vereinzelt riesige Borassuspalmen; fern sah man dunkle Gruppen von Mangobäumen und weit, weit dahinter die Berge von Magongo, nördlich vom Rufiyi.