Jagd auf Buschböcke.
Da war ein beliebter Weg auf der Höhe eines Ausläufers der Berge mit der Aussicht auf die Ebene, in der viele kleine, mit schwimmenden Pflanzen ganz zugedeckte Teiche lagen. In diesen Teichen hielten sich auch Flußpferde auf, und wenn sich die langen Rücken der Dickhäuter, von Pflanzen wie mit einem Teppich bedeckt, durch das schlammige Bassin schoben, saßen kleine, weiße Kuhreiher und braune Wasserhühner obendrauf. Krokodile schien es hier nicht zu geben. Die Gebüsche rundum zeigten ausgetretene Wechsel der Kiboko; ihnen folgend kam man an die Stellen, wo die, überall nur vereinzelnd vorkommenden und deshalb bei dem Jäger so beliebten Buschböcke gerne lagen. Diese schönen Antilopen bevorzugen Gegenden mit ständigem Wasser. Zahlreich sind sie auch in den Mangrovenwäldern im Mündungsdelta des Rufiyi, wo ich sie in unmittelbarer Nähe menschlicher Wohnungen antraf. Sie entfernen sich, ebenso wie die Riedböcke, nicht weit von ihrem Schlafplatze, wenn sie auf Äsung ziehen.
Wenn der Buschbock im Schilf steht, kann er den Kopf so still halten, daß die gewundenen, spitzen Hörner zwischen den vielen hochragenden, spitzen und glänzenden Blättern gar nicht auffallen. Doch ist dies nicht so wunderbar; denn die Antilopenhörner sind oft überhaupt schwer zu erkennen und es gibt Lichtverhältnisse, bei denen sogar die großen, halbmeterlangen Hörner eines freistehenden Wasserbockes auf dreißig Schritt Entfernung übersehen werden; mir ist es wenigstens einmal passiert, daß ich das Gehörn erst bei genauerem Hinsehen entdeckte, weil die glatten Flächen der Hörner zu stark im Licht standen.
Ein Riedbock zur Strecke.
Ich mußte in dieser Zeit stets eine Bedeckung von Askari mitnehmen, wenn ich auf die Birsch ritt. — In den Morgenstunden trug ich eine Mütze; wenn die Sonne höher stieg, nahm ich meinen großen Filzhut und der Boy setzte sich meine Mütze auf. (Er hatte seine ‚kofia‘ darunter!)
Eines Morgens sah ich auf dem genannten Wege zwei Stücke Wild hinter einem Hügel verschwinden und sprach das eine als einen Bock an. Da beide hintereinander standen, mußte ich nach dem Kopf schießen, um nicht die Ricke mit zu verletzen. Der Bock stürzte auf den Schuß, kam wieder hoch und verschwand im Schilf; auf dem Anschuß aber lag ein Stück der eigentümlichen Hautzapfen, wie sie die Wiederkäuer im Geäse haben.
Ich hatte den Bock also in den Unterkiefer geschossen und die Weidmannspflicht gebot, alles zu tun, um ihn vor grausamem Hungertode zu bewahren. Schnell wurden Ausguckposten auf Bäume und Hügel geschickt und ein Treiben veranstaltet, da die Fährte in dem harten Boden zwischen gebrannten und trockenen Rohrstengeln nicht zu finden war. Als der Bock sich von beiden Seiten umstellt sah, blieb er stehen und wurde von Treibern gesehen, die mich holten; so konnte ich ihm den Fangschuß geben. Drei Stunden hatte dies sorgfältige Weidwerk gedauert; doch die Befriedigung über den Erfolg lohnte jede Mühe.
Mehr in den offenen Akazienwäldern hielten sich Gnus und Hartebeeste. Das sind ausgesprochene Herdentiere; die dritten im Bunde sind gewöhnlich Zebra; doch bekam ich sie erst später und weiter westlich am Utungisee zu Gesicht.
Die Gnus wurden in dieser Zeit in Herden gesehen, die nach Geschlechtern getrennt waren. Es gingen zusammen: sechs Bullen und über dreißig Kühe und Kälber.