Einen festen Stützpunkt schufen sich die Seeräuber in Wisby auf Gotland, dort errichteten sie sich feste Türme und Schlösser, fanden Lagerplätze und leichte Abnahme ihrer Beute in Wisby, und einen ruhigen, unbehinderten Winteraufenthalt. Ihre Räubereien, die durch die ständig wachsenden Scharen neuen großen Umfang annahmen und sie fast zu unumschränkten Herren der Ostsee machten, hoben den Handelsverkehr fast auf.
Die so bedeutende Schiffahrt nach Schonen, wie auch der Heringsfang mußten drei Jahre lang unterbrochen werden, in den Städten herrschte Teuerung und eine aufgeregte Stimmung der Bevölkerung. Der Rat von Lübeck ordnete an, daß hinfort nur bewaffnete Kauffahrer in Gruppen von mindestens zehn Schiffen die See befahren durften.
Auf die Piraten übte die Verordnung jedoch eine andere Wirkung. Die wenigen Schiffe, die jetzt noch die Ostsee befuhren, versprachen nur geringe Beute, sie warfen sich deshalb auf die Küsten von Dänemark und Norwegen, eroberten, plünderten und verheerten die Insel Moen und die reiche Stadt Bergen. Ein Teil fuhr nach Livland und Esthland, wo sie, zweitausend Mann stark, die Bewohner schrecklich plagten.
Vergebens suchten die übrigen Hansen auf Rostock und Wismar einzuwirken, den Streit mit Margarete, der so schwere Folgen nach sich zog, zu beenden, und vergebens waren die Mahnungen des Hochmeisters des Deutschen Ordens im Namen seiner Städte. Jene weigerten sich, solange die Königin nicht Albrecht aus der Gefangenschaft entließ, und ebensowenig trug diese den Vorschlägen Lübecks Rechnung.
Es blieb nichts anderes übrig, als die Schiffahrt einzustellen, sodann mußte eine starke Flotte ausgerüstet werden, um die gefährlichen Piraten auszurotten. Nach einigen vergeblichen Tagefahrten kam endlich auch ein Beschluß der Hanse zustande.
Der mit Beginn der Schiffahrt ausgesandten Kriegsflotte der Hanse gelang es, die Ostsee soweit zu ‚befrieden‘, daß für dies Jahr die Seefahrt für den Hansen leidlich gesichert war.
Auf Margarete machten die wiederholten, drohenden Klagen der Hanse endlich Eindruck, und sie hielt es für geraten, die offene Gegnerschaft der Hanse nicht herauszufordern, um ihren Thron nicht aufs Spiel zu setzen.
Bildnis Klaus Störtebekers.
Nach einem späteren Stich.
Im Jahre 1395 erhielt Albrecht von Schweden nach schmachvoller Gefangenschaft gegen ein Lösegeld von 6000 Mark lötigen Silbers[8] die Freiheit.